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Kritik an den Argumenten von

pro seilbahn:

 

„Ja zur Seilbahn! Jede Stimme ist wichtig!

Hier finden sie alle Gründe, die für die Seilbahn sprechen.“

 

Endlich, endlich, endlich! Vier Wochen vor dem Ende der Abstimmung über die Seilbahn formulieren die Seilbahnbefürworter auf ihrer Website „alle Gründe, die für die Seilbahn sprechen.“ Endlich gibt es eine formulierte Grundlage für Diskussionen, so dass man diese Gründe einem Faktencheck unterziehen kann. Am Ende kann dann jeder selbst entscheiden. Allerdings sollte man noch einen hier nicht erwähnten Vorteil der Seilbahn mit bedenken.

 

Die nicht kursiv gedruckten Abschnitt sind Zitate aus der pro-seilbahn-Seite „Ja zur Seilbahn! Warum Wuppertal die Seilbahn braucht!“ . Diese Seite (Stand 23. April 2019) wird hier vollständig zitiert. Kursive Abschnitte sind kritische Diskussionspunkte.

 

Sinn dieses Artikels ist es nicht, einer Seilbahn jegliche Vorteile abzusprechen: Bei der geplanten Strecke Hbf – Uni – Küllenhahn dürften allerdings viele kritische Argumente gegen eine Seilbahn sprechen. Viele Vorteile einer touristischen Seilbahn in den Alpen oder in Koblenz reduzieren sich bei einer urbanen Seilbahn über städtischen Wohngebieten. Massive Nachteile stellen urbane Seilbahnen in ein sehr kritisches Licht.


 

Die leitende Fragestellung für die folgenden Anmerkungen:

 

Rechtfertigen die Vorteile einer Seilbahn die 90 Mio € Baukosten, die umweltzerstörenden Auswirkungen auf die Anwohner an und unter der Trasse und die Zerstörungen für den ÖPNV?

 


 

Fahrzeiten

In 3 Minuten vom Hauptbahnhof zur Uni und in 9 Minuten auf die Südhöhen. Die Fahrzeiten der Busse haben sich durch den Busbahnhof Döpperesberg erheblich verlängert, dadurch wird der Fahrzeitenvorteil noch größer.

  • Wenn man allerdings die vier Etagen bis zur Einstiegsebene der Seilbahn (+ 2 Min.) und den sechs Minuten langen steilen Weg von der Uni-Station bis zum Hörsaalgebäude mit einberechnet, dann schwindet der Vorteil der Seilbahn: Der Uni-Express braucht mit 7 Minuten von der Kleeblattbrücke (+ 3 Minuten Fußweg) sogar eine Minute weniger.

  • Die Kappung und Ausdünnung mehrerer Linien, die heute direkt den UNI-Haupteingang ansteuern, macht die Seilbahn mit ihrem Umsteigezwang unbequem und verlängert die Fahrzeit. Der ÖPNV wird für die Cronenberger erheblich verschlechtert.

 


 

Umweltfreundlich und klimaschützend

Entlastung der Südstadt von PKW- und Busverkehr, dadurch weniger Abgase und Lärm. Dem Autofahrer wird eine attraktive Alternative angeboten.

  • Dass die Seilbahn eine attraktive Alternative für den Autofahrer sei, glauben selbst die WSW nicht: Sie wollen nicht einmal die 132 geplanten Parkplätze bauen. Wie sollen da täglich über 1300 Autofahrten wegfallen können? Im Gegenteil: Durch den unattraktiver werdenden ÖPNV in Südstadt und Cronenberg werden wieder mehr Menschen auf ihr Auto zurückgreifen. Wegfallende Buslinien schaden dem Klimaschutz: Eine Umstellung auf klimaneutrale Busantriebe wäre hilfreicher als Strom aus dem Braunkohlentagebau am Niederrhein, der die Wuppertaler Luft schädigt.

  • Umweltfreundlichkeit misst sich nicht nur an der Lärm-, Abgas- und Energiebilanz. Die Zerstörung der Privatsphäre in einsehbarer Wohnung. Balkon und Garten ist deutlich schlimmer als alle 15 Minuten ein Bus vor der Haustür. Mit urbanen Seilbahnen soll der Luftraum zwischen null und 100 Metern für den öffentlichen Verkehr freigegeben werden, zu Lasten des geschützen Wohnumfeldes und Erholungsraums.


 


 

Energieersparnis

Im Gegensatz zu PKW und Bussen werden Entfernungen auf der kürzesten Linie zwischen zwei Punkten überbrückt. Die Beförderung erfolgt gleichmässig und stetig – ohne Ampelstopps und Wiederanfahren.

  • Was in den Bergen an verkürzter Wegstrecke eine Rolle spielt, wäre bei einer Wuppertaler Seilbahn unerheblich. Dass aber die Seilbahn zwischen den Tagesspitzen mit Volllast fahren muss, weil nicht genug Personal da ist, die Kabinen während stillerer Zeiten abzuhängen, verhagelt die Energiebilanz massiv.

     


 

Barrierefreiheit

Barrierefreiheit für Kinderwagen, Rollstühle und Rollatoren

  • Was nützt eine Barrierefreiheit in der Seilbahn mit ihren Aufzügen, wenn der steile Weg von der Uni-Station zum Haupteingang (entsprechend 10 Etagen) fast unüberwindlich ist und Menschen mit Handicap auf die reduzierten und überfüllten Busse vom Busbahnhof aus angewiesen sind?

     


 

Fahrräder

Eine Fahrradmitnahme ist problemlos möglich.

  • In Hauptverkehrszeiten dürfte die Drängelei ebenso groß sein, wie in den Bussen.

     


 

Tickets

Nutzung mit den Tickets des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, insbesondere mit dem Semesterticket.

  • Die Nutzung mit dem ÖPNV-Ticket ist gegenüber anderen touristisch ausgerichteten Seilbahnen sicher ein Vorteil. Den finanziellen Ausfall bezahlen die Wuppertaler Bürger.


 


 

Sicherheit, Zuverlässigkeit

Sicherer und zuverlässiger Nahverkehr straßenunabhängig auf eigener Strecke. Die Verfügbarkeit liegt bei 99 Prozent, im Sommer wie im Winter.

  • Auch wenn eine Seilbahn bei Schnee sicher fahren kann, muss sie doch bei starkem Wind (wohl ab 60 km/h) und Gewitter abgeschaltet werden. Mehrere Tage Revisionszeiten stören den normalen Fahrbetrieb, da es nicht wie in den Alpen fahrgastarme Saisonzeiten gibt.

  • Über Brandschutzauflagen für die Gebäude unter der Seilbahn und Evakuierungswege bei Blockaden ist noch nichts öffentlich bekannt.


 


 

Wartezeiten

Durch dichte Kabinenfolge entstehen keine Wartezeiten.

  • Da die Aufzüge in der Talstation auch die Büroetagen mit bedienen, werden die Aufzüge in Spitzenzeiten leicht an ihre Kapazitätsgrenzen kommen. Je ein Aufzug in der Eingangshalle für Auf und Ab und zwei Aufzüge für je einen Bahnsteig erscheinen angesichts der maximalen Beförderung von 70 Personen pro Minute pro Richtung sehr gering berechnet.

     


 

Städtbaulicher Vorteil

Kein Eingriff in die vorhande Bausubstanz, keinerlei Zerschneidungswirkungen wie bei einer Straße.

  • Die schweren und massiven Stützen mit 40 bis 70 Meter Höhe sind ein städtebaulicher Sündenfall.

  • Der schräg nach oben verlaufende Baukörper der Uni-Station beschädigt die markante waagrecht- und senkrecht ausgerichtete Architektur der Uni.

  • Der Anblick des bombastischen Talgebäudekörpers überlagert die beiden denkmalgeschützen Gebäude des Bahnhofes und des Reichsbahngebäudes.


 


 

Bauzeit

Die Bauzeit beträgt voraussichtlich 2 Jahre. Kaum ein anderes Massenverkehrsmittel ist so schnell aufgebaut wie eine Seilbahn und ihre Masten.

  • Vor der schnellen Bauzeit sind aber erst einmal drei Jahre Planverfahren bei der Bezirksregierung und dann mehrere Jahre für die anschließenden Gerichtsverfahren bis zu europäischen Gerichten (z.B. Schutz der Privatsphäre) einzukalkulieren, bevor die Feinplanung und Ausschreibung zwei bis drei Jahre in Anspruch nimmt. Erst dann, also nach vermutlich ca. mindestens acht Jahren begänne der Bau.

  • Ein Nachteil bei einem Seilbahnbau besteht darin, dass fast alle Bauaufträge, fast alle Gutachten, alle Rechtsanwalts- und Gerichtskosten nicht in Wuppertal ausgegeben werden, sondern Firmen, Institutionen und Personen in ganz Deutschland und Europa (Seilbahnindustrie in Österreich) zugute kämen.


 


 

Zukunftsweisendes Projekt für Wuppertal

Vorbild für viele weitere innovative Nahverkehrsprojekte in Wuppertal sowie Seilbahnprojekte anderer Städte, die darauf warten, dass es in Wuppertal endlich losgeht.

  • Was hier als Zukunftshoffnung formuliert ist, lässt sich auch als eine handfesten Drohung lesen: Bald könnte es ein ganzes Netz von Seilbahnen in Wuppertal geben und kein Haus, kein Garten und keine Privatsphäre wäre geschützt davor, von einer Seilbahn überflogen zu werden.

  • Die anderen Städte sind schlauer als Wuppertal. Sie wollen erst einmal die jahrelangen Genehmigungsprozesse in Wuppertal abwarten mit anschließenden teuren Gerichtsverfahren bis in höchste und selbst in europäische Instanzen. Wuppertal soll in Planungsverfahren, in Gutachten und Gerichtsprozessen bis zu 10 Millionen € investieren, obwohl nach eindeutigen gesetzlichen Vorschriften eine Seilbahn in Wuppertal keine Chance haben kann: Zu den für eine Enteignung notwendigen Voraussetzungen zählt es, dass es für die Seilbahn keine zumutbaren Alternativen geben darf. Einige Busse mehr zu Spitzenzeiten wären völig ausreichend für die Studenten. Für alle anderen, die Cronenberger und Südstadtbewohner. bedeutete die Seilbahn sowieso eine Verschlechterung.

  • Zukunftsfähige Projekte für Wuppertal wären Projekte, die z.B. Arbeitsplätze neu schaffen, zukunftsweisende Firmen anlocken, die sozialen Verhältnisse verbessern oder innovative neue Strukturen schaffen, wie die Junioruni. Ein unflexibles, streckengebundenes altes Verkehrsmittel kann kein zukunftsweisendes Projekt sein. Mit solchen folgenlosen Zukunftsvisionen macht sich Wuppertal eher lächerlich. Für eine solche Investition will eine Stadt nahe an der Pleite und auf Hilfe von Bund und Land angewiesen 90 Mio. € investieren: Unglaublich!


 


 

Umweltgesetze

Zunehmend strenge Umweltgesetze werden erfüllt, die in Zukunft möglicherweise andere städtische Verkehrsmittel ins Abseits drängen.

  • Die Nachbarstadt Solingen mit ähnlichen topograpischen Anforderungen experimentiert sehr erfolgreich mit elektrisch betriebenen O-Bussen.

  • Durch den unattraktiver gewordenen Öffentlichen Personen Nahverkehr ÖPNV werden wieder mehr Menschen in Südstadt und Küllenhahn ihr Auto benutzen und so das Einhalten der Umweltgesetze noch unrealistischer machen.


 


 

Wirtschaftlich

Durch sehr gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis sehr wirtschaftlich. Bund und Land übernehmen den Hauptteil der Kosten bis zu 90 %. Nicht die Stadt Wuppertal!

  • Die Ersparnisse der WSW betragen mit Seilbahn jährlich 740 000 €. Alleine als Kapitaldienst für die Seilbahn muss aber die Stadt Wuppertal jährlich 2,68 Mio. € aufbringen.

  • Die Vorteile in der volkswirtschaftlichen Nutzen-Kosten-Rechnung entstehen alleine daher, dass man, wenn täglich 1300 Autofahrer für die Fahrt in die Stadt die Seilbahn benutzen, die ersparten Autokilometer in Höhe von 4,5 Mio. Autokilometern mit einem Vorteil von 1,36 Mio € berechnet. Ebenso seien die eingesparten Fahrzeiten der Seilbahnfahrgäste mit 2,4 Mio € zu bewerten. Hier sind aber weder die verlängerten Wartezeiten bei ausgedünntem Busverkehr noch die Umsteigezeiten bei gekappten Buslinien einberechnet. Ebenso scheinen selbst die Stadtwerke nicht von vielen umsteigewilligen Autofahrern auszugehen, denn selbst die Parkgarage für 132 Autos erscheint ihnen überflüssig: sie möchten sie entgegen den Planungen nicht bauen. Dass bei schlechterem ÖPNV erheblich mehr ÖPNV - Nutzer wieder ihr Auto benutzen, fehlt ebenfalls in der Nutzen-Kosten-Kalkulation.

  • Bund, Land, Europa und VRR verteilen nichts anderes als die bei ihnen eingegangenen Steuern der Bürger und Wirtschaft. Wuppertal bekommt nichts geschenkt. Was für die Seilbahn ins Bergische fließt, kann nicht an anderen Stellen als Hilfe beantragt werden.

  • Das Gutachten Obermeyer geht von einer Finanzierungsquote durch überörtliche Stellen von realistischen 65 % aus. Die Obergrenze des Finanzierungsrahmens von 90 Mio. € ist durch die Baukostensteigerungen bis 2019 schon heute erreicht. Das Gutachten rechnet mit 103,4 Mio. € vermutlichen Baukosten. Alles was über 90 Mio € ausgegeben wird, geht alleine zu Lasten der Stadt und der WSW. Das wären heute schon ca. 35 Mio. €. Dabei sind wichtige Posten noch nicht eingerechnet, die dann ohne Zuschüsse alleine von Stadt und WSW zu tragen wären: z.B. die Brücke von der Mittelstation zur Uni, schönere bauliche Gestaltung der Stationen, der ÖPNV-Standard der Seilbahnkabinen, Entschädigungen für Enteignungen etc.


 


 

Attraktives Fahrerlebnis

Die Seilbahnfahrt ist ein einmaliges Fahrerlebnis mit toller Fernsicht. Sie wird eine Attraktion im regionalen Freizeitverkehr zur Sambatrasse und ins Burgholz.

  • Die Fahrt hinauf zur Müllverbrennungsanlage ist nicht im entferntesten so attraktiv wie die Fahrt in Koblenz nach Ehrenbreitstein. Es gibt fast keinerlei Gastronomie am Ende der Seilbahn.

  • Viele Menschen fahren gerne in den Seilbahnen der Alpen. Die nahe und sehr attraktive Kölner Seilbahn über den Rhein zieht hingegen trotz Rheinüberquerung keine Massen an. In Wuppertal ist sie vielen unbekannt und kein Ausflugsziel.

  • Die Fernsicht kann man von vielen leicht zugänglichen Stellen auf den Wuppertaler Höhen in gleicher Intensität genießen.


 

 

Noch eine Ergänzung zu den Vorteilen:

Zum Schluss noch einen Hinweis auf einen weiteren Vorteil, den allerdings die pro – seilbahn - Befürworter nicht erwähnen:

 

Größter Profiteur eines Seilbahnbaus wären vermutlich die Wuppertaler Stadtwerke WSW. Sie bekämen vom Stadtrat einen riesigen und gut dotierten Auftrag, ohne dass sie in einer öffentlichen Ausschreibung sich mit einem guten und günstigen Angebot hätten gegen Mitbewerber durchsetzen müssen. So wird diese Seilbahn siebenmal so teuer wie die Seilbahn in Koblenz und doppelt so teuer wie die Seilbahn zur fast 3000 m hohen Zugspitze.

 

Wenn die SPD so für den Seilbahnbau plädiert, sollte man mit bedenken, dass der Oberbürgermeister wie der SPD Fraktionsvorsitzende Mitarbeiter der WSW sind oder waren, dass mehrere Stadtverordnete heutige oder frühere Mitarbeiter der WSW sind und dass etliche Stadtverordnete aus allen Fraktionen Mitglieder von Vorstand oder Aufsichtsrat der WSW sind.

 

Fazit:

Was bleibt von den von pro - Seilbahn aufgeführten Vorteilen durch den Bau einer Seilbahn?

 

- Für die Wuppertaler Bürger fast nichts. Nur sehr viele Nachteile, Risiken und Kosten.

 

- Alleine die Stadtwerke WSW profitieren dadurch, dass ihnen die Bürger der Stadt eine Seilbahn schenken, so dass sie Bus- und Peronalkosten einsparen können. Dieser Vorteil für die Stadtwerke wird hingegen mit massiven Millionenkosten und Nachteilen für die Bürger sehr teuer bezahlt.

 

- Im touristischen Bereich, für die Bürger Küllenhahns nahe der Bergstation oder durch Presseartikel über die Seilbahn in Wuppertal wird es sicher ein paar kaum wahrnehmbare Vorteile geben.

 

Einige gute Gründe und manche Träume mögen für eine Seilbahn sprechen, aber alle zusammen sind nicht im entferntesten so wichtig, dass sie die enormen Kosten von 90 Mio. €, die riesigen die Lebensqualität zerstörenden Nachteile für die Trassenanwohner und die Ausdünnungen des ÖPNV rechtfertigen könnten.

 

 

 

Autor:    Manfred Alberti    26. April 2019
 

 

 

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