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Bundesgartenschau Wuppertal Kritik

 

 

Bundesgartenschau Wuppertal 2031 – Kritik

 

Alleine an von Wuppertal aufzubringenden Eigenmitteln kostet die BuGa

zwanzig Jahre lang täglich 10 000 €.

Das ergibt 73 Mio. €

 

1. Sinn der Website und lokalpolitische Hintergründe

 

Der Verfasser dieser Homepage steht aufgrund einiger zentraler Aspekte einer Bundesgartenschau in Wuppertal 2031 sehr kritisch gegenüber:

 

1.) Das fast gänzliche Fehlen bedeutender stadtplanerischer Erneuerungen und Verbesserungen für Wuppertal rechtfertigt den hohen Einsatz von 70.9 Mio. € städtischer Eigenmittel für eine BuGa nicht. Dass jeder Wuppertaler mehr als 200 € an Steuermitteln für eine Fest bezahlt, das kaum Auswirkungen auf Fortschritte in der Stadtstruktur bewirkt, ist nicht vertretbar. Rechnet man die Zuschüsse übergeordneter Stellen hinzu, die ja auch aus Steuern der Wuppertaler finanziert werden, entfielen bei 170 Mio. € Gesamtkosten auf jeden einzelnen (!) Wuppertaler Ausgaben in Höhe von mehr als 450 €.

2.) Die weiten Wege werden viele ältere BuGa-Besucher überfordern. Sie werden das zentrale Highlight Hängebrücke nur aus der Ferne wahrnehmen und nicht besuchen können. Enttäuschungen sind vorprogrammiert.

3.) Die Attraktivität der Hängebrücke für suizidgefährdete Personen mit hohem Aufmerksamkeitspotential durch Sperrungen der ICE-Strecke, des Bahnverkehrs, der Schwebebahn und der B 7 könnte eine frühzeitige Schließung der Hängebrücke erzwingen.

4.) Bei Schnee- und Tauwetter herabstürzende Eisbrocken und Eiszapfen sowie das Herabwerfen von Gegenständen durch Vandalismus machen eine Hängebrücke über bewohntem Gebiet mit regem Personen-, Auto-, Bus- und Bahnverkehr zu einem unkalkulierbaren Risiko mit tödlichen Gefahren.

5.) Eine sinnvolle Seilbahn zum oberen Zooeingang ist in den Kosten nicht einberechnet, da sie auf Leasing-Basis von einer Seilbahngesellschaft zur Verfügung gestellt würde. Eine solche Seilbahn innerhalb des Zoos würde sich möglicherweise auch unabhängig von der BuGa rentieren.


 

 

 

  • Das Ausrichten einer Bundesgartenschau als eine sechsmonatige Veranstaltungsfolge mit ca. zwei Mio. Besuchern ist eine riesige Herausforderung auch für eine Großstadt. Diese kann nur gelingen, wenn die Wuppertaler von Anfang an diesen Plan mit unterstützen. Dazu müsste aber die Bevölkerung vor Entscheidungen, wie der offiziellen Einladung an die Bundesgartenschau GmbH, so weit wie möglich über alle Pläne informiert sein. Von zentraler Bedeutung sind dabei auch ausführliche Informationen über Risiken, Gefahren und Nachteile. Solche Fakten fehlen bisher in der Öffentlichkeit gänzlich. Doch nur durch eine breite Informationsgrundlage können die Entscheidungsprozesse durch die gewählten Vertreter zu einem guten Ergebnis führen. Begeisterung alleine, wie sie die Machbarkeitsstudie offensichtlich produzieren will, ist keine gesunde Beratungsgrundlage.

  • Die Stadtspitze Wuppertals scheint das anders zu sehen. Laut Information des Oberbürgermeisters vom Januar 2020 soll noch im ersten Halbjahr 2020 vor der Neuwahl des Stadtrates und des Oberbürgermeisters am 13. September 2020 die offizielle Einladung an die Bundesgartenschau GmbH vom Rat beschlossen werden.

  • Bislang sind in der Öffentlichkeit hauptsächlich durch die Machbarkeitsstudie nur sehr spärliche Informationen über die Planungen verbreitet: BuGa-Hauptgelände auf der Tesche, Seilbahn über den Zoo auf die Königshöhe, 700 m lange Hängeseilbrücke quer über das Tal von der Königshöhe zur Kaiserhöhe. Eine der zentralen Flächen steht nicht zur Verfügung, weil der Eigentümer nicht verkauft.

  • Eine breite öffentliche Diskussion in den Medien hat bislang nicht stattgefunden. 2018 fand eine einzige öffentliche Informationsveranstaltung in Barmen statt. Kritische Aspekte zur BuGa sind bislang außer von den betroffenen Anliegern nicht in der Öffentlichkeit erörtert worden. Angesichts der nahe bevorstehenden Grundsatzentscheidung und den langwierigen Verwaltungs-, Stadtrats- und Ausschussverhandlungen wäre eine solche öffentliche Diskussion aber baldmöglichst dringend notwendig. Nach der fehlenden Diskussionen über die UNI-Seilbahn mit dem folgenden Debakel bei der Bürgerabstimmung sollte der damalige Fehler einer Entscheidungsfindung nur im engsten Kreis nicht mehr wiederholt werden. Eine Stadt, die sich Bürgerbeteiligung zum primären Ziel gesetzt hat und darin sehr viel investiert, darf vor wichtigen Entscheidungen die Öffentlichkeit nicht ausschließen.

  • Wer ein Projekt erfolgreich durchführen möchte, muss möglichst früh alle Schwierigkeiten und möglicherweise auftretenden Probleme kennen und offenlegen, so weit das möglich ist. Deshalb ist eine frühzeitige Einbeziehung der Öffentlichkeit unentbehrlich.

  • Die Bürger kennen ihre Stadt besser als Verwaltungsmitarbeiter und Abgeordnete in Bezirksvertretungen und Stadtrat. Deshalb sollten alle Bürger aus ihrer jeweiligen Perspektive wichtige Aspekte zur Entscheidungsfindung beitragen können.

  • Die Verfasser der Machbarkeitsstudie sind zwar Spezialisten, aber sie sind nicht Wuppertaler Bürger und deshalb mit den örtlichen Begebenheiten nur begrenzt vertraut. Deshalb muss auch eine Machbarkeitsstudie kritisch hinterfragt werden: Machbar ist alles, ist es aber auch sinnvoll?

  • Dass eine Machbarkeitsstudie im Sinne der Auftraggeber nur die positiven Aspekte erläutert, aber Gefahren und Probleme nicht erwähnt, ist sehr kritisch zu sehen. Z.B. fordert eine lange und hohe Hängebrücke über eine verkehrsmäßig zentrale Stadtlandschaft geradezu heraus, Gefahren und Probleme mit zu bedenken. Die Machbarkeitsstudie sieht das nicht so. Sie schwelgt alleine in Begeisterung und minimiert dadurch ihre eigene Bedeutung für die Entscheidungsträger.

  • Möglicherweise scheitern große Projekt an kleinen aber unüberwindbaren Hindernissen. Deshalb ist die Breite kritischer Rückmeldungen notwendig. So werden Fehlentwicklungen verhindert und unnötige Geldausgaben vermieden, indem man ein mit absehbar hohen Risiken behaftetes Projekt frühzeitig beendet.

  • Diese website soll kritische Aspekte zur BuGa 2031 sammeln, damit sie den Entscheidern vor ihrem Beschluss zur Verfügung stehen können. Leider hat die Stadt selbst auf ihrer Website keine Seite, wo solche kritischen Einwände gegen eine BuGa gesammelt und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Selbst wer sich intensiv bemüht, kritische Aspekte zur BuGa zu finden, wird nicht fündig: Alleine einige allgemeine Zeitungsmeldungen stehen zur Verfügung. Meinungsbildung braucht aber immer beide Seiten, um sich eine Bild formen zu können. Reine Lobeshymnen, wie größtenteils die Machbarkeitsstudie, sind keine brauchbare Grundlage für die Meinungsbildung.


 


 

Literatur:

  • Machbarkeitsstudie Wuppertal 2031 (wird derzeit überarbeitet):

file:///C:/Users/Manfred/Downloads/VO_0985_18_Machbarkeitsstudie_Bundesgartenschau_Wuppertal%20(10).pdf

 

 

2. Sinn einer BuGa (nach Homepage Bundesgartenschau GmbH)

  • Erfolgreich sind Gartenschauen dann, wenn die Umgestaltung größerer Brachflächen ansteht und die gesamte Prominenz der deutschen und internationalen Landschaftsarchitekten, Städteplaner und Gartenbauer animiert wird, gute Ideen zu entwickeln. Heilbronn hat 2019 ein riesiges nicht mehr benötigtes Hafengelände zu einem innenstadtnahen Wohn- und Freizeitviertel umgebaut - mit großem Erfolg. Leverkusen hat durch die Landesgartenschau 2005 sich auf einer ehemaligen Abfalldeponie einen direkten Zugang zum Rhein verschafft: Tolle Idee und tolle Verwirklichung mit einer der schönsten Restaurationen weit und breit "Wacht am Rhein", mit Veranstaltungsflächen, mit Spazierwegen und mit Sportanlagen des Bayer - Kanuvereins. 

  • Wer sich die Dimensionen einer erfolgreichen BuGa vorstellen möchte, der kann die Bilder auf den websites zur BuGa Heilbronn 2019 ansehen, wo ein altes Hafenareal zu einem neuen grünen Stadtteil umgebaut wurde.

 

 

3. Voraussetzungen und Ziele in Wuppertal

  • Wuppertal verfügt über keine größeren Brachflächen, für die eine andere Nutzung dringend gesucht würde. Die vorhandenen Brachflächen der nicht mehr benutzten Kalksteingruben und der dazu gehörenden Halden stehen meines Wissens wohl noch nicht zur Verfügung. Die Brachflächen oder heruntergekommenen Gewerbeflächen neben der Wupper sind im Privatbesitz und eigenen sich wegen ihrer Kleinteiligkeit anscheinend nicht für eine grüne BuGa entlang der Wupper.

  • Wuppertal hat als Ziel für 2031 ausgegeben, dass die benutzten Flächen nach der BuGa wider in den ursprünglichen Zustand versetzt werden sollen. Bis auf einige Häuser am Rande der Tescher Wiesen soll es keine Veränderungen geben. Landwirtschaftlich genutzte Flächen, die z.B. für Parkplätze vorgesehen sind, oder die Tescher Wiesen sollen 2032 wieder in ihrem ursprünglichen Zustand sein. Alleine der Sportpark an der Bahnstrecke in Hammerstein wird neu gestaltet und vergrößert. Damit würden die Investitionen keine deutliche Verbesserung Wuppertaler Strukturen zum Ergebnis haben.

  • Die beiden Highlights der Hängebrücke zwischen der Königshöhe und der Kaiserhöhe und die auf die Kaiserhöhe führende Seilbahn vom Zoo-Parkplatz aus sollen nach der BuGa für eine begrenzte Zeit bleiben. Ob sich das rentiert, wird sich erst später entscheiden. Eine verkürzte Zoo-Seilbahn nur über dem Zoo-Gelände ist unabhängig von der BuGa vorgeschlagen worden.


 

 

4. Nachteil: Weite Wege

  • Eine Wuppertaler Bundesgartenschau könnte sehr schnell den negativen Ruf einer Gartenschau der weiten Wege bekommen. Sieben bis acht Kilometer müssen die Zuschauer zu Fuß nur für den kürzesten Weg durch die Gartenschau und über die Attraktion der Hängebrücke zurücklegen. Das entspricht einem nur zu Fuß zurückzulegenden bergigen Weg von der Schwebebahnstation Vohwinkel bis Unterbarmen. Die verschlungenen Wege durch Gewächshäuser und an Blumenbeeten entlang sind hier noch nicht einmal mit eingerechnet. Wege mit Schwebebahn und Seilbahn kämen hinzu.

  • Zwei grundsätzliche Wegeführungen durch die BuGa werden in der Machbarkeitsstudie vorgestellt:

    a) Ein großer Rundweg führt vom Parkplatz Tesche zum Parkeingang (ca. 300 bis 600 m), dann durch den Park hinunter über eine Brücke zum Schwebebahnbahnhof Bruch (ca. 1500 m), nach der Schwebebahnfahrt von der Station Zoo zur Seilbahn (ca. 200 m), nach der Seilbahnfahrt von der Bergstation zur Hängebrücke (ca. 1200 m), über die Hängebrücke (700m), von der Hängebrücke zur Nordbahntrasse (ca. 1300 m), über die Nordbahntrasse bis zum unteren Eingang der BuGa (2300 m, evtl. Fahrradtaxen), von dem unteren BuGa – Eingang bis zum oberen Eingang (600 m) (evtl. Buspendelverkehr) und weiter zum Parkplatz (300 m). Dieser Weg von mehr als 8000 m dürfte für viele ältere Besucher (Bustouristen) nicht machbar und attraktiv sein. Dieser Rundweg einschließlich Nordbahntrasse ist nicht abkürzbar. Da solche Nachteile sehr schnell durch Mundpropaganda verbreitet werden, könnten dadurch die Zuschauerzahlen deutlich nach unten gedrückt werden.

    b) Der zweite Weg durch die BuGa entspricht dem ersten Weg bis hinter die Brückenüberquerung. Dann folgt eine Rundgang durch die Ausstellungsfläche Kaiserhöhe. Der Rückweg über die Brücke und mit der Seilbahn entspricht dem Hinweg. Hier sind ca. 7500 m zu Fuß zurückzulegen.

  • Zu Fuß zurückzulegende Wege zusätzlich zur Seilbahn machen die Hängebrücke nicht attraktiv für Ausflüge vor allem älterer Personen.

  • Die Nordbahntrasse ist zwischen Dorp und Vohwinkel nicht für große Menschenmengen ausgelegt. Wäre da Platz für Fahrradtaxen oder wäre eher ein (undenkbares) generelles Fahrradverbot zum Schutz der Fußgänger angebracht?

 

 

5. Hängebrücke (ca. 700 m) von der Kaiserhöhe bis zur Königshöhe

  • Für die Besucher ist von der Seilbahnstation ein langer Weg (ca. 1200 m) bis zur Brücke zurückzulegen.

  • Den attraktiven Blick von der Brücke ins Tal könnte man in gleicher Weise von vielen Aussichtspunkten auf den Wuppertaler Höhen genießen, z.B. eröffnet schon der Platz der Bergstation der Seilbahn den Blick über Elberfeld: Dazu ist keine Brücke notwendig.

  • Die Brücke ist keine wirklich notwendige und sinnvolle Brückenverbindung zweier touristischer Highlights oder von viel frequentierten Wegen, so dass sie einen Abstieg ins Tal der Wupper überflüssig machen würde. Die Brücke wäre just for fun nur selbst ein Highlight.

  • Auf keiner der beiden Seiten gibt es einen nahen Zugang zum ÖPNV oder zu Parkplätzen für Auto- oder Bustouristen. Ein solche Zugang ist angesichts der topographischen Gegebenheiten auch in Zukunft nicht herstellbar.

  • In der Machbarkeitsstudie wird die begrenzte Besucherkapazität von 1000 gleichzeitigen Besuchern auf der Brücke ausgerechnet. Wenn  1 800 000 Besucher an 180 Öffnungstagen die BuGa besuchen, würden rein durchschnittlich 10 000 Besucher an täglich 10 Öffnungsstunden zu erwarten sein. Da angesichts der Lage mitten in dem BuGa-Gelände in der ersten und der letzten Stunde kaum Besucher zu erwarten sind, überstiege in den verbleibenden acht Stunden die Besucherzahl die erlaubte Zahl von 1000 Brückenbesucher, um die Mittagszeit vermutlich um ein Mehrfaches. Da sich auch die zu erwartenden Besucherzahlen nicht gleichmäßig auf alle Öffnungstage und Öffnungszeiten verteilen, sondern im Sommer und mittags mit dem größte Besucherandrang zu rechnen ist, dürfte es wegen der Begrenzung der Benutzerzahlen für viele Besucher nicht möglich sein, das herausragende Highlight der BuGa zu besuchen. Enttäuschungen sind da vorprogrammiert: Eine massive negative Berichterstattung über die BuGa würde den Eindruck in der Öffentlichkeit prägen und dem Ruf Wuppertals erheblich schaden.

  • Die Hängebrücke wäre leider eine Einladung für suizidgefährdete Menschen: Sobald jemand auf das Brückengeländer klettert, müssten die Bahnstrecke mit u.a. dem ICE und der S-Bahn, die Schwebebahn und die B 7 für jeglichen Verkehr gesperrt werden. Die Brückensituation mitten in der Stadt und die weitreichenden Folgen bis hin zum deutschlandweiten ICE-Verkehr versprechen für suizidgefährdete Menschen höchstes Aufmerksamkeitspotential und maximale Drohkapazität für eventuelle Forderungen ihrerseits. Die früheren Erfahrungen mit der Blombachtalbrücke können als Warnung dienen.

  • Damit bestände die realistische Gefahr, dass eine solche Brücke nach wenigen Tagen für die Öffentlichkeit gesperrt werden müsste, da dauernde Sperrungen der Verkehrswege nicht akzeptabel wären.

  • Nach den bösen Wuppertaler Erfahrungen mit dem niedrigen Geländer auf der Blombachtalbrücke, die erst aufhörten, als die Blombachtalbrücke mit einem den Gehweg überragenden Käfiggeländer geschützt wurde, müsste die BuGa Brücke von vorneherein mit einem solchen Käfiggeländer ausgerüstet werden.

  • Das zusätzliche Gewicht des optisch fragwürdigen Käfiggeländers würde die Besucherkapazität weiter vermindern.

  • Eine weitere bedeutende Gefahr, die von dieser Brücke ausgehen würde, wäre im Winter die Gefahr bei Tau und Frost durch herabstürzenden Eisbrocken oder Eiszapfen. Eiszapfen oder Eisbrocken aus 100 m Höhe können eine tödliche Wirkung haben, wenn sie auf Menschen fallen. Möglicherweise durchschlagen sie Autoscheiben oder Busdächer und gefährden den Zugverkehr.

  • Gibt es überhaupt eine Möglichkeit, bei Schnee, Tauwetter und Frost die Bildung von Eisbrocken oder Eiszapfen unter der Brücke zu verhindern? Eine Brückenheizung dürfte unrealistisch sein, ein Abschlagen sich bildender Eiszapfen von unten mit Hilfe eines Kranwagens nicht möglich, ein andauerndes Verhindern der Bildung von Eiszapfen und Eisbrocken von oben äußerst schwierig und angesichts von 700 m Brückenlänge unbezahlbar aufwändig sein. Eine generelle Schließung bestimmter Gebiete unter der Brücke während der Tau- und Frostperioden ist im Wald unter den Brücken im Hunsrück und Harz möglich, aber nicht im innerstädtischen Wuppertal mit ICE – Strecke, mit der S-Bahn, mit der Schwebebahn mit der B 7 und mit Wohngebäuden unmittelbar unter der Brücke.

  • Das Herunterwerfen von Gegenständen (wie Steine von Autobahnbrücken) könnte eine permanente zusätzliche Gefahr darstellen.

  • Auch unbeabsichtigt herunterfallende Gegenstände wie Schlüsselbund oder Knirps wären eine latente Gefahr.

  • Haben die unter der Brücke stehenden Industriefirmen, Hauseigentümer oder Mieter eine rechtliche Handhabe, die Brücke zu verhindern? Könnte die Gefährdung von Werken mit Gefahrstoffumgang und von Geländen mit Gefahrstoffen einen Brückenbau evtl. nicht genehmigungsfähig machen?

  • Könnten Eigentümer oder Mieter den Bau einer Brücke verhindern, weil diese nicht notwendige (Spaß-) Brücke andauernde Einblicke in die durch GG § 13 geschützte Privatsphäre ermöglicht?

  • Wird angesichts der zentralen städtischen Position der Brücke und der darunter liegenden Industrieanlagen und Verkehrswege eine dauernde personelle Überwachung der Brücke nötig?

  • Wäre für diese Brücke eine Sperrung bei Dunkelheit unumgänglich? Auch die Brückenbenutzung durch Kletterpartien müsste unmöglich gemacht werden.

  • Wie hoch dürften die jährliche Unterhaltungskosten der Brücke sein, wenn sie nach der BuGa nicht direkt abgebaut wird? Die Machbarkeitsstudie verweist hier nur auf den städtischen Haushalt.

  • Die Attraktion einer Hängebrücke in Wuppertal dürfte angesichts vieler lokaler und regionaler Attraktionen recht begrenzt sein. Im an Attraktionen armen Harz oder Hunsrück hat eine solche Hängebrücke eine andere Wertigkeit.

  • Diese dann möglicherweise längste Hängebrücke der Welt hätte ein enormes Gewicht, welches im durch den Kalkstein porösen Wuppertaler Gestein sicher verankert werden müsste. 1000 gleichzeitige Besucher der Brücke entsprächen dem Gewicht von zwei 40tonner Lastzügen. Zusätzlich müsste immer mit der Gefahr gerechnet werden, dass (alkoholisierte) Gruppen durch Schaukeln oder Springen die Haltbarkeit der Brücke austesten wollen. Die Machbarkeitsstudie weist zu Recht darauf hin, dass erst nach einer Studie durch Geologen erwiesen wird, ob überhaupt dieses Brückenbauwerk gebaut werden kann. Bis dahin ist dieses die BuGa tragende Highlight unsicher. Ein definitiver Beschluss zur BuGa müsste dieses geologische Ergebnis abwarten.


 

6. Seilbahn Zoo

  • Eine Seilbahn vom Zoo- Parkplatz zum Höhenweg mit Mittelstation am obersten Punkt des Zoos könnte prinzipiell möglich sein, da sie über kein Wohngebäude führen würde.

  • Diese Seilbahn würde von einer Seilbahnfirma erbaut und wohl durch eine mindetstens zehn Jahre lang garantierte Nutzungsgebühr der Stadt finanziert.

  • Bauart und Kapazität der Seilbahn würden allerdings während der sechs BuGa – Monate in einer ganz anderen Größenordnung notwendig sein als für die Zeit danach. Für die Hauptbesuchsstunden und Hauptbesuchstage dürfte eine Kapazität von 2000 bis 3000 Besucher pro Stunde und Richtung notwendig sein (Koblenz 3800 pro Richtung). Selbst wenn die Hängebrücke nach der BuGa bleiben würde, wäre nur mit wenigen Besuchern zu rechnen.

  • Nach der BuGa dürfte die Seilbahn nur bis zur Mittelstation für den Zoo-Besucher mit Kinderwagen und für Kinder attraktiv und rentabel sein und eine sichtbare Aufwertung des Zoos gerade angesichts seiner Hanglage bedeuten. Eine Überdimensionierung machte eine Seilbahn für die Zeit nach der BuGa allerdings unrentabel.

  • Stände der Parkplatz überhaupt angesichts der aktuellen Baupläne für ein Parkhaus und für eine Sportakademie für den Bau einer Talstation zur Verfügung?

  • Laut Machbarkeitsstudie würde dieser Parkplatz auch als Aus- und Einstiegsstelle für Busse benötigt.


 

7. Verkehr

  • Die drei Parkplätze an der Tesche für ca. 5000 PKWs werden über die nördliche Bahnstraße und Düsseldorfer Straße B 7 mit der Anschlussstelle 5 der A 535 an das überörtliche Verkehrsnetz angebunden. Wenn am Spätnachmittag innerhalb von ca. zwei Stunden 5000 PKWs und Busse die BuGa verlassen, sind das pro Minute mehr als 40 Autos. Das ist mehr als eine Verdoppelung der heutigen Belastung des ampelgeregelten Wiedener Kreuzes. Heute ist schon oft dieses Wiedener Kreuz überlastet: Der Verkehr aus Richtung Mettmann / Düsseldorf staut sich bei den langen Grünphasen für den Verkehr aus Richtung Vohwinkel manchmal bis über die Tankstelle Dornap hinaus. Rückstaus aus Vohwinkel reichen manchmal bis zum Ortsschild Vohwinkel auf der Tesche.

 

 

8. Kosten

  • Nach der Machbarkeitsstudie kämen auf Wuppertal ca. 50 Prozent der Investitionskosten (von ca. 69 Mio. €) also 34,5 Mio. € und Durchführungskosten in Höhe von ca. 16,1 Mio. € zu. Zusammen mit weiteren Kosten (z.B. interne Verwaltungskosten etc.) trüge Wuppertal lt. Machbarkeitsstudie von den Gesamtkosten von ca. 150 Mio. € etwas mehr als 70 Mio. €, die als Wuppertaler Eigenbeitrag in den Jahren 2020 bis 2031 aufgebracht werden müssten. Allerdings sind lt. Machbarkeitsstudie in dieser Rechnung noch keine Seilbahnkosten (zehn Jahre Nutzungsgebühr) und keine Grunderwerbskosten enthalten.

  • Damit kostet die BuGa alleine an Eigenmitteln der Wuppertaler zwanzig Jahre lang täglich 10 000 €.  20 mal 365 = 7300 Tage a 10000 € entsprechen 73 Mio. 

  • Da im Prinzip die Zuschüsse, die Wuppertal von übergeordeten Stellen und Gremien erhält, auch auf Steuern Wuppertaler Steuerzahler beruhen und nicht als Zuschüsse zu anderen Projekten nach Wuppertal zurückfliessen, muss man unter Berücksichtigung der Eintrittsgelder von Gesamtkosten von ca. 130 Mio. € ausgehen.

  • Weil die Verbesserungen der Wuppertaler Stadtstruktur nur minimal sind (Sportpark, Brücke – sofern sie stehen bleiben kann) bedeuten diese Kosten, dass die Gelder zum größten Teil für ein halbjähriges Event, ein Fest mit ca. zwei Mio. Besuchern ausgegeben werden. Jeder Besucher würde so mit umgerechnet 65 € subventioniert. Anders gerechnet: Jeder Wuppertaler (ca. 360000) müsste für dieses Fest (ca. 130 Mio €) eine Ausgabe von ca. 360 € leisten.

  • Kann das ein Fest wert sein? Kann in einem solchen Fest eine Priorität der Stadt Wuppertal liegen? Wuppertal als eine der ärmsten Kommunen in Deutschland könnte die zig Mio. Beträge wohl vielfach besser in sinnvolle Infrastrukturprojekte investieren, die den Bürgern Wuppertals direkt zugute kämen. Auch für solche Projekte gäbe es massive Zuschüsse übergeordneter Institutionen.


 

9. Verbesserungen von Struktur und Image durch BuGa oder auf anderen Wegen?

  • Hier stellt sich die Frage, was Wuppertal letztlich für diese mehr als 70.9 Mio. € bekommen würde, wenn außer einem vergrößerten Spiel- und Sportpark in Vohwinkel keine besonderen neuen Ergebnisse der Investitionen bleiben. Einige schon heute zur Erholung genutzte Flächen (Waldpark) würden verschönert. Die Lebensdauer der Brücke dürfte vermutlich nur einen kurzen Zeitraum umfassen und die Seilbahn ist in diesem Kostenrahmen nicht enthalten (Zehnjährige Nutzungsgebühr an die Seilbahnfirma). Eine eigene kleine, auf die Bedürfnisse des Zoos zugeschnittene Seilbahn dürfte unabhängig von der BuGa angemessener sein.

  • Da fast keine für Wuppertal zukunftsgerichteten Investitionen geplant sind, schlüge unter dem Strich fast nur die Steigerung des Bekanntheitsgrades Wuppertals und eine attraktive Außendarstellung bei den Besuchern zu Buche. Eine reale Gefahr ist dabei, dass in der medialen Wahrnehmung die Enttäuschung über lange Wege, über eine nicht mögliche Brückenüberquerung und evtl über eine Sperrung der Brücke eine Rolle spielen. Dann wäre die Imagekampagne durch eine BuGa eine Katastrophe.

  • Strukturverbesserungen in Wuppertal, die mit den benötigten 130 Mio. € initiiert und gefördert würden, wären eine sehr moderne Art von Stadtgestaltung und würde das Image Wuppertals deutschlandweit heben, wenn nicht sogar darüber hinaus. Demgegenüber ist die Imageverbesserung durch eine traditionelle Gartenschau (auch mit modernen Akzenten) sehr überschaubar. Zudem hat Essen mit der Internationalen Gartenschau IGA 2027 eine Veranstaltung, die noch eine Kategorie höher angesiedelt ist.

  • Dass eine Imageveränderung durch das Ausrichten einer BuGa ihre Grenzen hat, merkt man, wenn man an vergangene BuGas denkt: Wer kennt noch Ronneburg bei Gera, den Ausrichter der BuGa 2007?


 

10. Alternativen (Ideen evtl. für die weitere Zukunft)

  • Grüne Wupper: Brachflächen, die aufgearbeitet werden könnten und müssten, liegen in unmittelbarer Nähe der Wupper. Dort hatte sich früher sehr viel Kleingewerbe angesiedelt (Autoreparatur etc.). Der Anblick dieser Betriebsstätten ist gerade von der Schwebebahn oft sehr schlecht. Eine durchgehende Begrünung des Wupperufers zusammen mit einer Fahrradstraße und Fußweg könnte das Leben in der Innenstadt attraktiver machen. Schwierigkeiten: Kostenintensive Umsiedlung der Gewerbebetriebe in Privateigentum, Brücken als Hindernisse, Bayer-Betriebsgelände etc.

  • Kalksteingruben und - halden im Wuppertaler Westen:

  • Eine hervorragende Aufgabe für eine Bundesgartenschau mit internationalen Experten für Landschafts-, Städte- und Gartenbau wäre die Umnutzung und Neunutzung der Kalksteingebiete mit Gruben und Halden. Alleine die Haldenflächen im nicht mehr für den Kalksteinabbau genutzten Großraum Wieden würden, wenn das Material in die Gruben (oder nur in eine) zurück geschüttet würde, eine Menge leicht verfügbarer Fläche für Wohnraumbebauung, Freizeitkultur etc. innerhalb des städtischen Raums mit vorhandener Infrastruktur bieten.

  • Ideen:

  • Freizeiteinrichtungen zum Wandern oder Klettern am Rande der Gruben, die man nicht zuschütten darf oder will.

  • Unauffällige mehrstöckige Lagerhäuser in den tiefen Löchern.

  • Ökologische Rückzugsflächen in und an diesen Gruben.

  • Ökologische Wohnraumbebauung

  • Die zugeschütteten Gruben Lüntenbeck und Krummacherstraße könnten ebenfalls aufgewertet werden.

 

11. Weitere kritische Aspekte

- Die Bauarbeiten für eine Brücke würden sich sehr schwierig gestalten, da weder die Kaiserhöhe noch die Königshöhe über eine taugliche Zufahrt für viele Lastwagen verfügen. Beide Zuwegungen sind durch enge und sehr steile Strassen (Z.B. Königshöher Weg) gekennzeichnet.

- Auch die Zeppelinallee als Zufahrt zum Nebeneingang des Zoos ist sehr eng mit engen Kurven. 

- Die Königshöhe ist ein Landschaftsschutzgebiet. Es schadet dem 120 Jahre alten Wald, wenn dort alles für täglich 10000 Besucher eingerichtet wird.  

 


 

12. Nachbemerkung

Der Verfasser bedauert sehr, dass es so wenige detaillierte Informationen auch kritischer Art über die möglichen Nachteile einer BuGa in Wuppertal gibt. So ist er weitgehend auf eigene Recherchen angewiesen.

 

Angesichts der dadurch möglichen Fehler und Missverständnisse bittet er den Leser sehr herzlich, ihm Fehler dieses Textes mitzuteilen. Aber auch weitere kritische Aspekte sind sehr willkommen. (manfredalberti@hotmail.com)

 

Der Autor möchte für die interessierten Wuppertaler wie für die Entscheider in der Verwaltung und Politik relevante Aspekte gebündelt zur Verfügung stellen. Es wäre für Wuppertal fatal, wenn erst zu spät nach kostenträchtigen Entscheidungen übersehene oder nicht veröffentlichte Fakten und Probleme den ganzen Plan BuGa2031 zerstören würden.

 

Der Autor geht davon aus, dass es für ein erfolgreiches Projekt unumgänglich ist, dass ganz am Anfang vor Entscheidungen alle wichtigen Aspekte offen auf den Tisch gelegt werden: die schönen Seiten der Machbarkeitsstudie wie die kritischen Probleme.


 

Manfred Alberti    Stand 01.03.2020

 

​(Weder der Verfasser noch irgendwelche Verwandten oder Freunde wären von der Bundesgartenschau betroffen.)

 

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