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Brief an Stadtratsmitglieder 20.03.20

 

Manfred Alberti, Pfr. i. R. 
An der Piep 8 c
42327 Wuppertal
0152 0421 8707
manfredalberti@hotmail.com
www.manfredalberti.de
 


 

An die

Mitglieder des Wuppertaler Stadtrates
 

Betr.: Planung der Bundesgartenschau 2031


 

Sehr geehrte Stadtratsmitglieder,

entschuldigen Sie bitte, dass ich mich direkt an Sie als Mitglieder des Stadtrates wende. Die Probleme des Corona-Virus ziehen im Moment alle Aufmerksamkeit auf sich. Viele bald zu entscheidende Fragen treten in den Hintergrund. Damit nicht Entscheidungen getroffen werden, ohne dass es vorher eine intensive Diskussion über Vor- und Nachteile gegeben hat, schreibe ich Ihnen diesen Brief.

 

Der Oberbürgermeister Mucke hat nach einer Notiz im Januar 2020 in der WZ angekündigt, dass noch in dieser Periode des Stadtrates die Einladung zur Bundesgartenschau 2031 beschlossen werden soll.

Lassen Sie mich bitte angesichts der bislang fast nicht vorhandenen öffentlichen Diskussion über diese BuGa mit von Wuppertal zu tragenden Eigenanteilen von mindestens ca. 70 Mio. €. Ihnen einige kritische Aspekte aufzeigen.

Wenn die Vorlagen drei Wochen vor der Beschluss-Sitzung des Stadtrates öffentlich bekannt werden, ist es für eine fundierte Diskussion in der Öffentlichkeit viel zu spät.

Da ich nicht weiß, wann in Ihren Fraktionen dieses Thema aufgegriffen wird, sollen Sie sich vor der Diskussion und Entscheidung über einige wichtige Kritikpunkte informieren können. Eine ausführlichere Darstellung der Kritikpunkte können Sie auf meiner Homepage finden: www.manfredalberti.de Kapitel A.16.


 

1.) Zeitpunkt des Beschlusses zur Einladung

Die Einladung zu einer Bundesgartenschau hat bei einem von Wuppertal aufzubringenden Eigenbeitrag von 70 Mio. € auf die Etatplanungen der kommenden Jahre ergebliche Auswirkungen. Es wäre nur fair, wenn nicht der sich verabschiedende Stadtrat sondern der im Sep. 2020 neu gewählte Stadtrat diesen Beschluss fassen würde. Er muss schließlich auch die Einsparungen in anderen Etatbereichen verantworten und mit betroffenen, enttäuschten und darüber vielleicht wütenden Bürger umgehen. Angesichts der bislang ausgebliebenen Diskussionen können sich auch neugewählte Ratsmitglieder sehr schnell in die Materie einarbeiten. Der Informationsvorsprung der bisherigen Ratsmitglieder dürfte nur sehr klein sein.


 

2.) Öffentliche Diskussionen

Bei der Seilbahndiskussion gab es etliche persönlich Betroffene, die durch Leserbriefe etc. eine Diskussion angestoßen haben und mit einer Vielzahl von Argumenten unterfütterten. Diese Betroffenen fehlen – außer einige Landwirte - bei der Diskussion um die Bundesgartenschau. Der aufzubringende Eigenbeitrag von 70 Mio. € ist viel zu abstrakt, als dass sich heute schon Bürger mit den Konsequenzen auseinandersetzen würden. Die spürbaren Einsparungen im Bereich Kunst und Kultur, Soziales und Schulen, Sport und Straßenbau etc. werden erst dann sichtbar, wenn ein Rücktritt von der Bundesgartenschaueinladung nicht mehr möglich ist. Auch die Argumentation, dass es für die 70 Mio. € Eigenbeitrag und die weiteren 60 Mio. Zuschüsse lediglich ein halbjähriges Fest gibt und keinerlei bleibende Fortschritte in der Wuppertaler Stadtgestaltung, ist viel zu abstrakt, als dass sie heute eine kritische Diskussion befördern könnte


 

3.) Hintergründe und vorliegende Fakten

Im Moment sind der Öffentlichkeit noch nicht einmal alle Flächen bekannt, auf der die BuGa stattfinden soll. Als einzige Grundlage zur Meinungsbildung ist im Internet die (inzwischen wohl überholte) Machbarkeitsstudie des Institutes RMP Lenzen (Bonn) von 2018 einsehbar. Machbarkeitsstudie bedeutet: Mit genügend Geld ist alles machbar: Aber mögliche absehbare Schwierigkeiten werden in dieser Studie leider nicht thematisiert. 

 

4.) Ich sehe vor allem folgende Probleme:

4.1.) Versteht die Wuppertaler Stadtspitze den Sinn und das Ziel einer BuGa und der Landesgartenschauen? Ursprünglich wollte Oberbürgermeister Mucke die vielen vorhandenen Wuppertaler Parkflächen Hardt, Barmer Anlagen etc. zusammen als  BuGa nutzen, was aber dem Sinn einer BuGa überhaupt nicht entspricht (siehe website „www.bundesgartenschau.de“). Erfolgreich sind diese Gartenschauen dann, wenn in einer Stadt die Umgestaltung größerer Brachflächen ansteht und die gesamte Prominenz der deutschen und internationalen Landschaftsarchitekten und Gartenbauer animiert wird, gute Ideen zu entwickeln. (s. www.bundesgartenschau.de Über die DBG, Kurzportrait „Unser Ziel: Nachhaltige Stadtentwicklung“)

 

Z.B. Heilbronn hat 2019 ein riesiges nicht mehr benötigtes Hafengelände zu einem innenstadtnahen Wohn- und Freizeitviertel umgebaut - mit großem Erfolg. Leverkusen hat durch die Landesgartenschau 2005 sich auf ehemaligen Abfallflächen von Bayer einen direkten Zugang zum Rhein verschafft: Tolle Idee und tolle Verwirklichung mit einer der schönsten Restaurationen weit und breit "Wacht am Rhein"  und mit Sportanlagen des Bayer-Kanuvereins. 

 

Bei solchen Umwandlungen einer Brache zur hochwertigen Stadtlandschaft bleibt nach der Gartenschau ein großer Mehrwert für die Stadt und die Bevölkerung: Jeder ausgegebene Euro ist dafür sinnvoll ausgegeben.

Wuppertal hat ein solches Brachgelände nicht. Das in Wuppertal vorgesehene Gelände soll nachher - bis auf einige neue Häuser, die man auch ohne BuGa bauen könnte - wieder genauso aussehen wie vorher.  Es gibt so gut wie nichts außer einer kleinen Sportfläche in Vohwinkel, was dauerhaft bleiben soll und Wuppertal voranbringen könnte.  


 

4.2.) Spektakuläre Projekte, wie die Hängebrücke  zwischen Kaiserhöhe und Königshöhe oder die Seilbahn über den Zoo, mögen zwar etliche BuGa-Besucher anziehen, sind aber auf Dauer kaum tragbar und vorteilhaft. 
 

  • Die Hängeseilbrücke müsste entweder ein Käfig werden (wie man es wegen der vielen Selbstmörder mit der Blombachtalbrücke über der A 1 gemacht hat), oder sie wird zur Suizidbrücke, durch die andauernd der ICE, der Bundesbahnverkehr, der Schwebebahnverkehr und die B 7 spektakulär lahmgelegt werden könnten. Sie wäre äußerst attraktiv für suizidgefährdete Personen, die Aufmerksamkeit erregen möchten. Wenn die Brücke das Ende der BuGa überhaupt erreicht, dürfte sie anschließend sehr schnell verschwinden, zumal sie wegemäßig keinem sinnvollen Verbindungszweck entspricht.

Da sie von keiner Seite mit dem Auto, Bus oder Bahn erreichbar ist, dürften die Besucherzahlen nach der BuGa sehr gering sein. Ähnliche Brücken im Harz oder im Hunsrück konkurrieren nicht mit anderen Besucherattraktionen wie in Wuppertal, so dass sie teilweise von Touristen gut besucht sind: In Wuppertal wäre ich da sehr skeptisch.

 

  • Eine Hängeseilbrücke mitten über einem belebten Stadtteil mit überregional wichtigen Verkehrswegen und Wohnungen ist gefährlich. Herabgeworfene Gegenstände, wie Steine, oder unbeabsichtigt heruntergefallene Dinge, wie ein Knirps oder ein Schlüsselbund, können 80 m tiefer verheerende, manchmal sogar eine tödliche Wirkung haben. In einem strengen Winter ließen sich schwere Eiszapfen mit Gefahren für Autos und Züge nicht verhindern. Die Brücken im Harz und Hunsrück überqueren nur Waldgebiete.

 

  • Ob eine reine Spaßbrücke über Wohnungen mit dem Schutzparagraphen § 13 des Grundgesetzes für den Wohnraum und mit GG § 14 vereinbar ist, könnte möglicherweise erst in einem langwierigen Rechtsstreit geklärt werden.

 

  • Dass eine Seilbahn bis zum oberen Ende des Zoos für kinderwagenschiebende Eltern und für kleine Kinder eine Attraktion wäre, könnte ich mir gut vorstellen: Es wäre ein eigenes Projekt des Zoos wie die Seilbahn in Schloß Burg, aber nichts darüber hinaus. Als Zubringer für Bundesgartenschaubesucher zur Hängeseilbrücke müsste sie ganz anders dimensioniert werden als als Kinderwagentransport für Zoobesucher. Anscheinend müssten für diese von den Erbauerfirmen als Investoren vorfinanzierte Seilbahn für einen Zeitraum von zehn Jahren vorab festgelegte Nutzungsgebühren bezahlt werden. (Machbarkeitsstudie S. 99) Diese sind in den unten aufgeführten Finanzdaten nicht enthalten.

 

4.3.) Das Risiko eines negativen Images für Wuppertal durch die Bundesgartenschau halte ich aus vier Gründen für sehr groß:

  • Die Attraktion dieser Gartenschau für Besucher wäre durch die langen Wege sehr eingeschränkt. Für die Wege vom Parkplatz, innerhalb der Ausstellungsflächen in Vohwinkel, zur Schwebebahn „Bruch“ und beiderseits der Brücke müssten Besucher alleine zu Fuß (!) ca 7 bis 8 km einrechnen. Das entspräche einem „Spaziergang“ vom Vohwinkler Kaiserplatz bis nach Unterbarmen. Dazu kämen Wege mit der Schwebebahn. Für die meisten Besucher eine unangenehme Überforderung.

  • Sollte die Hängeseilbrücke (zeitweilig) gesperrt werden müssen wegen Gefährder durch Suizid oder herabfallende Gegenstände, verlöre die Bundesgartenschau ihre Hauptattraktion: Enttäuschte Besucher wären das für das Image Wuppertal verheerende Ergebnis.

  • Das gleiche Risiko würde eintreten, wenn an Hauptbesuchstagen oder normalerweise schon um die Mittagszeit die Brücke wegen Überlastung gesperrt werden müsste. Schon bei 1,8 Mio. Besuchern müsste die Brücke zu allen Öffnungszeiten und an allen Öffnungstagen gleichmäßig besucht werden, damit alle Besucher sie betreten könnten. Bei einer Kapazität von gleichzeitig max. 1000 Menschen auf der Brücke (entspricht ca. 2000 pro Stunde) dürfte die Brücke oft überlastet sein und viele Besucher die Brücke nicht betreten können. Enttäuschungen und negative Erinnerungen an Wuppertal wären vorprogrammiert.

  • Die Schwebebahn leidet leider immer wieder unter Ausfällen. Bei nicht zu vemeidenden Ausfällen während der BuGa-Zeit müssen Besucher ihren ganzen Tagesplan umplanen und können die erhofften Höhepunkte ihres teuer bezahlten Ausflugstages nicht erleben: Schwebebahnfahrt und Hängeseilbrücke. Auch hier die mögliche Folge: Enttäuschung und negatives Image für Wuppertal.

 

4.4.) Kosten und Ertrag

  • Eine BuGa würde trotz hoher Kosten von mindestens ca. 170 Mio. € für Wuppertal keinerlei dauerhaften und vorteilhaften Stadtveränderungen bringen. Hier wird viel Geld alleine für ein großes Fest 2031 ausgegeben.

 

  • Das bedeutet, dass auch der von Wuppertal alleine aufzubringende Eigenanteil in Höhe von über 70,9 Mio. € (siehe Machbarkeitsstudie S. 117 ) nicht nachhaltig für die Stadt eingesetzt wird. So ist zu fragen, ob es nicht viel nachhaltigere Investitionen für unsere Stadt gäbe, die das Leben vieler Wuppertaler verbessern würde.

 

  • Die von Wuppertal alleine aufzubringenden 70,9 Mio. € müsste in den Jahren 2020 bis 2031 aus dem Bereich der freiwilligen Leistungen der Stadt abgezweigt werden: Von heute ab wären das täglich (!) ca. 17 000 €, jährlich mindestens sechs Mio. €. Das träfe vor allem die Ausgaben für Kultur, für Kunst, für Sozialarbeit, für Schulen, für Kinder in Armut, für den Sport und für die Lebensqualität armer Menschen. Sechs Millionen € jährlich entsprächen etwa den Aufwändungen für 150 bis 200 städtische Kräfte in diesen Bereichen.

 

  • Hinzu kämen laut Machbarkeitsstudie (S.99) Gelder für Grundstückskäufe und für unkalkulierbare weitere Risiken, die alleine durch Wuppertal ohne Zuschüsse abgedeckt werden müssten. Eine geringere Besucherresonanz durch schlechtes Wetter, wegen abschreckender weiter Wegstrecken oder wegen gesperrter Hängeseilbrücke schlüge sich bei Kosten einer Tageskarte in Höhe von 24 € schnell im Millionen-Euro Bereich nieder.

 

  • Wenn ich die Finanzkonstruktion für die Seilbahn richtig verstehe, muss sich die Stadt für eine vorgegebene Nutzungszeit von zehn Jahren (?) verpflichten, die Nutzungsgebühr für die von der Seilbahnfirma finanzierte Seilbahn zu entrichten. Was geschieht, wenn die Hängeseilbrücke nicht mehr da ist und somit die Seilbahn für den Teil oberhalb des Zoos keinen Sinn mehr macht?

 

  • Jeder einzelne Besucher würde alleine durch Wuppertaler Eigenmitteln mit 35 bis 50 € subventioniert. Wofür???? Nach einem teuren und vollgepackten BuGa - Besuch ginge kaum einer zum Einkaufen in die Innenstadt. Nur Hotelübernachtungen wären vermutlich zu verbuchen. Den werbemäßigen Imagegewinn sollte man aber eher gering einschätzen: Wer kennt schon Ronneburg (BuGa 2007)? Und ein grünes Image hat Wuppertal schon jetzt.  

 

5.)  Wuppertal könnte sinnvoll erst dann eine BuGa ausrichten, wenn es in der Stadt Brachflächen gäbe, für die eine neue sinnvolle  Nutzung gefunden werden könnte. 

  • Mein Vorschlag vor einiger Zeit, doch den innerstädtischen Zugang Wuppertals zur Wupper als Herausforderung zu nutzen, um auch die vielen unschönen Gewerbeflächen am Wupperufer umzuwandeln in einen vielteiligen grünen Landschaftspark am Wupperufer, lässt sich nicht realisieren, weil eine Gartenschau sich auf einige wenige große Flächen konzentrieren muss. 

  • Was ich mir noch als eine langfristig zukünftige Herausforderung vorstellen könnte, wäre die Umgestaltung der riesigen ehemaligen Steinbruchgebiete im Wuppertaler Westen, von der Krummacherstrasse über die Lüntenbeck, über Dornap bis nach Schöller. Umzäunte ewige Löcher und hohe Halden bringen nichts.  Aber Konzepte für diese riesigen Flächen (Abenteuerspielplatz und Klettertraining, Zuschütten für neue Bauflächen, hohe Lagerhäuser in tiefen Löchern etc etc) könnten irgendwann einmal in fernerer Zukunft (nach 2031) Wuppertal attraktive neue dringend benötigte Flächen bringen.  Alleine die leicht abräumbaren Halden umfassen etliche Hektar Fläche, z.B. für hochwertigen Wohnraum.

Viele Grüße und gute Beratungen Manfred Alberti


 

p.s. Näheres: www.manfredalberti.de Kap. A.16.

 


 

 

 

 

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