www.Presbyteriumsdiskussion-EKiR.de www.manfredalberti.de
    www.Presbyteriumsdiskussion-EKiR.de    www.manfredalberti.de

 

 

 

Was ist ein Leben wert?

Manfred Alberti

Unendlich viel! Es sei „ein höchstrangiges Rechtsgut und absolut erhaltungswürdig“, so dass ein Urteil über seinen Wert niemand anderem zustehe als dem Menschen selbst! So sieht es der Bundesgerichtshof.

Unendlich wenig, so dass wir uns nicht darum kümmern müssen! So sehen es die reichen Länder, wenn es um das Leben von 300 Mio. hungernden Kindern geht.

Für die Lebenserhaltung eines einzigen uralten nicht mehr kommunikationsfähigen weißen Menschen mit künstlicher Ernährung in einem Pflegeheim wird so viel Geld ausgegeben, wie für die Lebenserhaltung von 100 schwarzen Kindern im Hungergürtel der Welt benötigt würde.

Gedankenlosigkeit oder unbewusster Rassismus? Oder schützt hier eine radikale Lebensauffassung ein Geschäftsmodell, das mit handlungsunfähigen, oft im Koma liegenden Pflegebedürftigen viel Geld verdient: Einfache Pflege, kein Klingeln, keine Beschwerden, nur Wickeln und Wenden.

Ist dieses „Leben“ im Pflegebett wirklich das, was der Mensch selbst wollte? Fragt man ältere Menschen, die die Vergänglichkeit von Körper und Geist spüren, nach ihren Zukunftswünschen, dann hört man fast immer: „Ich möchte leben, solange ich einigermaßen gesund bin. Aber wenn ich krank werde, dann möchte ich möglichst bald ruhig und in Würde sterben dürfen.“ Niemals wünscht sich einer, unbedingt 100 Jahre alt zu werden, selbst wenn er im Koma mit künstlicher Ernährung liegen müsste. Menschen sind heute nicht so lebensfixiert, dass sie ihr Leben unter allen Umständen erhalten möchten. Viele spielen leichtfertig mit ihrem Leben, als waghalsiger Motorradfahrer wie als Kettenraucher.

Welches Recht hat eine Gesellschaft, Menschen in ihrer allerletzten Lebensphase solche Lebensfixiertheit als ihren Wunsch zu unterstellen und daraus Konsequenzen lebenserhaltender Maßnahmen abzuleiten, die fast alle Menschen vorher für sich brüsk abgelehnt hatten?

Die lebenshungrigen Hungerkinder sterben zu lassen und die sterbewilligen uralten Menschen zwangsweise am Leben zu erhalten, das kann kein Ausweis einer humanen Weltgesellschaft sein.

Ärzten wird die Entscheidung über das Abstellen lebenserhaltender Massnahmen oft schwerfallen. In Kliniken kann ihnen häufig die Beratung einer Ethikkommission mit Ärzten, Pflegern und Seelsorgern im Gespräch mit den Angehörigen helfen: In Pflegeheimen und im privaten Pflegebereich gibt es eine solche Begleitung selten. Hier könnte Politik durch die flächendeckende Einrichtung von Ethikkommissionen vielen Leidenden hilfreich zur Seite stehen.

Eine bundesgerichtlich angeordnete Verfügungsgewalt alleine des dazu unfähigen Menschen selbst über sein Leben ist abgehoben von der Realität: Eine ethische Maxime, die gesehen im Rahmen weltweiter Verantwortung leicht als subtile Form von Rassismus und Unmenschlichkeit erscheint.


 

Manfred Alberti, Pfr. i. R. manfredalberti@hotmail.com, www.manfredalberti.de

Lit: Manfred Alberti: Vorsorgebuch – Alter Sterben Bestattung, Neukirchen-Vluyn 2016²

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Manfred Alberti

Diese Homepage wurde mit 1&1 IONOS MyWebsite erstellt.