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Rundschreiben 33

(Zur Reform der Landessynode)

 

Ein Presbyterium will eine Kirche bauen. Der geplante riesige Prachtbau stösst auf viele Widerstände und Bedenken. Deshalb streicht das Presbyterium seine Pläne erst einmal zusammen und beschliesst, vorerst nur das Fundament zu bauen. Wie die Kirche aussehen solle und ob man sie überhaupt bauen würde, könne man dann im nächsten Jahr entscheiden.“

 

Ein absurdes Märchen? Nein, so geht die Rheinische Landessynode 2015 bei der Einführung der Informationstechnologie vor. Die auf der Synode 2014 kritisierten voluminösen Pläne einer einheitlichen IT bis zum letzten Pfarrerdiensthandy (LS 2014 Drucksache 22) sollen erst einmal „abgespeckt“ worden sein. Ohne das aber zu konkretisieren und ohne einen Rahmen, auch kostenmässig, für diese neue Säule kirchlicher Verwaltung vorzulegen, wurde die Synode gedrängt, schon einmal sozusagen das Fundament zu genehmigen: für knapp eine Millionen Euro.

Kolportierte Anfragen von städtischen Verwaltungen, wie es denn mit der kirchlichen Datensicherheit bestellt sei, wenn man Einwohnermeldedaten auch in Zukunft bekommen möchte, sorgten bei der Synode abends um 22.00 Uhr für die Bereit-schaft, ins Blaue hinein diesen ersten Schritt in einen umfassenden Aufbau einer einheitlichen Informationstechnologie für alle kirchlichen Ebenen zu genehmigen.

 

Jeder Kreissynodalvorstand und die Kirchenleitung hätten den Kirchbaubeschluss eines Presbyteriums ohne präzisen, durchgerechneten und durchfinanzierten Plan umgehend kassiert: Wer baut ein Fundament, ohne wenigstens einigermassen zu wissen, wie das Gebäude darauf aussehen soll?

 

Aber die Verwaltungsexperten haben das so von den Synodalen verlangt und alle Widerstände einzelner haben nichts genützt. So betreibt man erfolgreich Salamitaktik und das nächste kostenträchtige Desaster nach NKF und Verwaltungsstruktur ist vorprogrammiert: Wieder mehr Gelder für interne Verwaltung, aber Sparprozesse bei Schulen, der Kirchlichen Hochschule, der Bildungsarbeit und an anderen Stellen mit kirchlicher Wirksamkeit in die Öffentlichkeit hinein.

 

Um es ganz deutlich zu sagen: Die Kritik richtet sich nicht an die Synodalen, die hier natürlicherweise absolut überfordert sind, sondern die Kritik richtet sich an die, die auf solche Weise ihre Interessen durchboxen und den Weg der Kirche führen weg von den Gemeindegliedern hin zu internen Verwaltungsprozessen.

 

Hier sollte man sehr bald ein Grundübel heutiger Synodenpraxis unterbinden: Vorlagen sind als Werbebroschüren gestaltet und nicht als Informationshefte. Solche Vorlagen haben das Ziel, eine bestimmte Synodenentscheidung als alternativlos darzustellen und lassen deshalb Nachteile, Risiken, Gefahren und Alternativen einer Entscheidung weitgehend unerwähnt.

 

Durch eine solche Praxis werden aber die Synodalen entmündigt: Ihnen wird eine realistische Informations- und Entscheidungsmöglichkeit über die positiven und negativen Aspekte eines Entwurfes oder mehrerer Alternativen vorenthalten. Oder drastisch anders gesagt: Synodale werden dumm gehalten: Sie sollen nicht selbst entscheiden können, sondern sich auf die Vorgaben der Experten verlassen müssen.

 

Damit gerät aber die ganze Leitungskultur unserer Kirche durch die Leitung von Synodalen auf Kreis-, Landeskirchen- und EKD-Ebene in Gefahr: Wenn die Synodalen nicht alle sinnvollen und benötigten, alle dafür- und alle dagegensprechenden Informationen gleichermassen zur Verfügung gestellt bekommen, damit sie sich selbst ihr eigenes Bild machen können, werden die Synodalen herabgewürdigt zu willfährigen Handaufhebern. Die Synodalen sind die Beauftragten der Presbyterien und Kirchenkreise und ihnen ist eine grosse Leitungsverantwortung übertragen worden. Mündige Leitung muss anders aussehen!

Hier können sich nur Gemeinden, Presbyterien und die Synodalen selbst auf dem vorgeschriebenen Weg wehren, dass ein solcher unwürdiger Umgang mit den Synodalen als Entscheidungsträgern ein Ende findet:

Möglichst viele Presbyterien in möglichst vielen Kirchenkreisen sollten einen Antrag in ihre Kreissynoden einbringen, Anträge an die Landessynode zu beschließen, dass zukünftig „Synodenvorlagen verpflichtend zu den Beschlussvorschlägen Nachteile, Gefahren, Kosten, Auswirkungen und Alternativen aufführen“ müssen. Sinnvollerweise sollten nicht die Verfasser von Vorlagen solche Kapitel schreiben, sondern kritisch eingestellte Experten.

 

Synodale haben als Vertreter der Gemeinden und Gemeindeglieder den Auftrag und die Verpflichtung, sich umfassend zu informieren, bevor sie ihre Stimme abgeben. Ihnen die dazu nötigen Unterlagen rechtzeitig bereitzustellen, muss eine Pflicht derjenigen sein, die eine Synode vorbereiten. Das gilt gleichermassen für Kreis- wie für Landessynoden.

Nur gut informierte Synodale können gute, durchdachte und möglichst zukunfts-sichere Entscheidungen fällen: Die bisherigen Werbehefte reichen dazu nicht aus.

 

Die Nachteile, dass dann die Synodenunterlagen noch dicker werden und dass dann möglicherweise in der Synode viel mehr fundierte Auseinandersetzungen geführt werden mit knappen Ergebnissen, sollte man bewusst in Kauf nehmen. Eine Synode, die sich selbst achtet, braucht umfassende Informationen und tiefgehende Diskussionen vor ihren Entscheidungen.

 

 

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