www.Presbyteriumsdiskussion-EKiR.de www.manfredalberti.de
    www.Presbyteriumsdiskussion-EKiR.de    www.manfredalberti.de

Manfred Alberti

Kritische Anmerkungen zu Drucksache 28:

Änderung des Verwaltungsstrukturgesetzes

 

Vorsicht: Glosse!

 

Nachtgedanken eines Verwalters

Noch eine Synode, ein Tagesordnungspunkt, dann ist der Durchbruch geschafft: Die Verwaltung ist Leitungsorgan unserer Kirche. Endlich! War auch ein ganz hartes Stück Arbeit: aber glücklicherweise kümmert sich ja kaum einer um die Verwaltung, erst Recht nicht um die Gesetze, die uns betreffen, wer liest die schon? Und so ging das letztlich doch noch ziemlich einfach:

Glücklicherweise interessierte die Menschen ja damals die Personalplanungsvorlage viel mehr. Da konnte jeder mitreden und mitdiskutieren. Da haben sich die Presbyterien drum gekümmert. Nun ja, die Aufregung um die gefährdete Pfarrerwahl durch die Gemeinden hat unsere Vorlage vergessen lassen. War ganz gut so, wenn sich niemand drum kümmert.

Ja und bei den Regionalkonferenzen ist unsere Vorlage trotz der Vorgaben der Kirchenleitung einfach nicht so rechtzeitig fertig geworden, dass sich die Presbyterien damit hätten auseinandersetzen können. Spät fertig, noch später veröffentlicht: die ersten Regionalkonferenzen waren schon fast vorbei, die Sommerferien begannen und kein Schwein dachte mehr an unsere Vorlagen.

Und dann: Eigentlich hatte ich ja mit einem Aufstand der Synode gerechnet, wenn ein solch wichtiges Gesetz auf der Landessynode Freitag nachts um halb zwölf in erster Lesung eingebracht wird, um am nächsten Morgen in zweiter Lesung endgültig beschlossen zu werden. Aber die Synode hat brav mitgemacht.

Jetzt noch diesen letzten Gang überstehen – warum müssen die Klever auch noch solche Anträge stellen? - und dann beginnt das Verwaltungsparadies auf Erden. Vorsicht – lieber nicht übertreiben. Aber himmlisch ist das schon: Gesetzlich gesicherte Arbeitsplätze, fünfzehn pro Verwaltungsamt. Und dann die große Entscheidungsvollmacht. Dass die Gemeinden sich das haben wegnehmen lassen! Und erst recht die Superintendenten – ich verstehe das bis heute noch nicht. Die dürfen noch die großen Linien, den Haushalt, bestimmen, aber im Kleinen, da bestimmen wir. Und in der Kirche geht es ja fast nur noch um kleine Sachen. Wer kann schon noch eine Kirche neu bauen. Na und wenn? Die soll dann den von uns geplanten Rahmen genehmigen und dann werden wir den Bau schlüsselfertig hinstellen. Da muss uns kein Presbyterium bei jeder Türfarbe reinreden! Die große Richtung die, das kleine Detail wir. Eigentlich eine gute Aufteilung, denn Kirche lebt von vielen kleinen Details. Und wenn die Presbyter oder der KSV nicht rechtzeitig vorher sagen: „Das wollen wir bestimmen“, dann haben sie gar nichts mehr zu sagen.

Ein toller Arbeitsplatz. Voll Leitungsverantwortung! Und, das ist geil: Alles beinahe ohne Kontrolle. Die Rechnungsprüfer sind ja jetzt so weit weg, die haben so wenig Rechte, über die mache ich mir keine Sorgen. Früher haben sie ja jeden Haushalt und jede Jahresrechnung jeder Gemeinde prüfen müssen und dürfen. Lange her. Nur wenn jemand motzt, dann dürfen sie ran. Verwaltung kontrolliert sich selbst. „Vieraugenprinzip!“ Das hat imponiert. Da hat niemand nachgefragt, ob nicht dann die gerade eingearbeitete Verwaltungskraft ihren Mentor kontrollieren kann.

Da wird schon nichts passieren. Hauptsache, wir haben die Vorsitzenden und Kirchmeister nicht täglich bei allem Kleinkram an unserem Schreibtisch stehen. Ein Jahresbericht sollte für die doch ausreichen. Wir passen schon auf.

Und wer kontrolliert mich? Ja das wüsste ich auch gerne. Vielleicht der liebe Gott. Denn der Superintendent braucht zu seiner Kontrolle über meine Arbeit ja die Hilfestellung meiner Mitarbeiter! Selbst hat er ja niemanden mehr. Ha, ha. Da wird was rauskommen! Da kann er hundertmal Vorgesetzter sein! Der wird mir nichts anhaben können. Schließlich bekomme ich ja auch mehr Geld als er! Nein, ob die Superintendenten das wirklich nicht gemerkt haben, dass wir Verwaltungsleute jetzt manchmal besser bezahlt werden als sie. Das hätte ich mir nie träumen lassen.

Und wenn die Landessynode jetzt noch die Vorlage beschließt, dass wir im Verwaltungsbereich höhere Tarifstufen einführen können: das hätte ich nie geahnt, dass Verwaltung einmal eine solche Rolle in der Kirche spielen könnte. All diejenigen, die meinen, Verwaltung sei nur zum Verwalten da und Leiten würden andere, die sollen solche Träume schnell zu den Akten legen. Die reale Wirklichkeit sieht anders aus. Und in einiger Zeit werden das auch die Kirchenkreise merken, die sich so etwas jetzt noch nicht vorstellen können und die immer gesagt haben: „So schlimm wird es schon nicht werden.“ Nein, wir Verwaltungsprofis werden Kirche viel besser leiten können als die Amateure von Vorsitzenden oder Baukirchmeistern.

Nur, eins macht mir noch Sorgen: Wo bekomme ich ganz bald genügend gute Leute her, damit mein Amt voll aufgebaut ist, bevor vielleicht die nächste Landessynode 2015 über finanzielle Grenzen für die Verwaltungsausgaben der Gemeinden beschließt. Bis dahin haben wahrscheinlich alle gemerkt, dass Verwaltung sehr viel teurer werden wird. Und dass das Geld also den Gemeinden fehlt. Dann könnte die für 2015 vorgesehene Vorlage zur Begrenzung der Verwaltungskosten von Erfolg gekrönt sein. Zu dumm auch, dass wir in der Personalplanungsvorlage 2012 die Verwaltungsausgaben einiger modellhafter Kirchenkreise damals ganz konkret mit 9 bis 12 Prozent des Nettokirchensteueraufkommens der Gemeinden benannt haben: das könnte uns noch zum Verhängnis werden. Wir werden wesentlich mehr brauchen.

Den Klever Antrag, jetzt schon aktuell die Kosten zu deckeln, haben wir ja noch einmal abbügeln können: Hoffentlich kommt kein Synodaler auf die Idee, den noch einmal vorzubringen. Das könnte schwierig werden, denn schon jetzt klagen ja viele Gemeinden über ihre fehlenden Gelder und manche sind wirklich verärgert, warum dann noch so viel für Verwaltung ausgegeben werden muss. Ach ja, das war wirklich toll, dass wir das so hinbekommen haben, dass die Gemeinden gar nicht gefragt werden, wie viel sie für Verwaltung ausgeben können und wollen. Das macht unser Ausschuss, und dann haben die Gemeinden das zu schlucken. Prima. Nein, es ist schon ein toller Arbeitsplatz, den ich da habe. Und das hat alles so wunderbar geklappt. Keine Widerstände, keine Probleme.

Ich sollte einmal ein Buch darüber schreiben, mit all den prima Tipps, damit die Verwalter in den anderen Landeskirchen daraus lernen. Dann wird nicht nur unsere Kirche eine Verwaltungskirche, sondern alle die anderen auch. Vielleicht sollte ich dann auch einmal den Antrag in die Synode einbringen, die Struktur unserer Landeskirche neu zu benennen: Nicht mehr presbyterial-synodale Struktur, sondern offizial-presbyterial-synodale Struktur. Das passt: Offizium, das Amt, also auch das Verwaltungsamt: Offizial-presbyterial-synodale Struktur: das klingt ganz gut, noch ein bisschen lang, aber die Presbyterien könnte man eigentlich weglassen, die haben ja sowieso nichts mehr zu sagen: „Offizial - synodale Struktur“, das klingt wunderbar. Die moderne Kirche als Verwaltungsamtskirche. Das galt schon immer: Alles zerbricht, Verwaltung bleibt, wenn man sie erst einmal hat.

Aber jetzt muss ich erst einmal die Landessynode überstehen. Doch das sollte kein Problem sein. Und dann wird gefeiert. Wie hieß das noch? „Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre, habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut.“

 

 

 

Hinweis: Nähere Erläuterungen zu den einzelnen glossierten Anmerkungen unter

www.presbyteriumsdiskussion-ekir.de Kap. A 2

Verwaltungsstrukturgesetz 2013 Kritische Analyse

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Manfred Alberti

Diese Homepage wurde mit 1&1 MyWebsite erstellt.