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Vortrag Prof. Dr. Christian Möller, Heidelberg

  

 

„Dass eine christliche Gemeinde Recht und Macht habe…“

(Martin Luther)

 

Die reformatorischen Wurzeln der
presbyterial-synodalen Ordnung im Rheinland und ihre aktuellen Gefährdungen

 

 

Vortrag vor dem Lutherischen Konvent der
EKiR in Brühl am 19.März 2011 (schriftl. Fassung vom 9.5.2011)

 

I Die Gefährdung der presbyterial-synodalen
Ordnung in der EKiR –

eine gemeinsame Sorge von reformierten wie
lutherischen Gemeinden
.

Ursprünglich bestand auf meine
Initiative hin die verwegene Idee, Reformierten Bund und Lutherischen Konvent
zu einer gemeinsamen Tagung zusammenzuführen, um ein gemeinsames Gespräch über
die innere Aushöhlung der presbyterial-synodalen Ordnung der EKiR anzuregen. An
dieser Stelle müsste es doch eigentlich eine große Gemeinsamkeit geben, ähnlich
wie schon vor 75 Jahren bei der Theologischen Erklärung von Barmen und dem
gemeinsamen Kampf lutherischer und reformierter Gemeinden der Bekennenden
Kirche gegen die deutsch-christliche Bevormundung von oben her. Leider hat sich
die verwegene Idee zerschlagen.

 

Mich hätte das Gespräch beider Konfessionen
über die Bedeutung der Ortsgemeinde für die Kirche gereizt, weil ich an das
produktive Miteinander beider Konfessionen im Kirchenkampf vor 75 Jahren denke,
wie der reformierte Karl Barth die 6 Thesen der Barmer Theologischen Erklärung
entwarf und der Lutheraner Hans Asmussen diese Thesen in einem Vortrag
kommentierte, und wie dann die Synode den Beschluss fasste, dass die
Theologische Erklärung „im Zusammenhang mit dem Vortrag von Pastor Hans
Asmussen als christliches, biblisch-reformatorisches Zeugnis“ anerkannt wird. Das
war am 31.5.1934 eine Sternstunde für die Überwindung alter konfessioneller
Differenzen angesichts einer aggressiven deutsch-christlichen Irrlehre, die
sich mit Hilfe des Programmwortes „Gemeindeaufbau“ missionarisch gebärdete.
Gegenüber dieser Art von pseudomissionarischer Kirche formulierte Hans Asmussen
in seinem Vortrag den programmatischen Satz: „Es muss die Kirche Kirche
bleiben, sonst kann sie nicht missionarisch wirken.“.

 

 
Es ist nun freilich merkwürdig, dass Asmussen zwar jede der sechs Thesen
kommentiert und dabei auch jeden Verwerfungssatz auf seine Weise aufgreift,
doch ausgerechnet den Verwerfungssatz der dritten These unkommentiert lässt:
„Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer
Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils
herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen“.
Wollte Asmussen die typisch reformierte Gleichschaltung von Botschaft und
Ordnung der Kirche einfach nur dezent übergehen und deshalb diesen
Verwerfungssatz gleichsam ausklammern? Wie dem auch sei, ich finde diesen
Verwerfungssatz der 3. Barmer These gegenwärtig so aktuell und wichtig wie nur
denkbar, weil er hellhörig macht für die Geister, die unter dem Vorwand in die
Kirche und in die Theologie einwandern, es handele sich doch hier bloß um
äußerliche Gestalt- und Organisationsfragen.

 

 

Hier liegt m.E. eine lutherische Lücke,
die gewöhnlich mit CA 7 gerechtfertigt wird, wo die Kirche auf Wort und
Sakrament konzentriert worden sei. „Das genügt zur wahren Einheit der
christlichen Kirche“, wie es doch ausdrücklich in CA 7 heiße. Ordnungs- und
Gestaltfragen hätten deshalb einen minderen Rang und eben das mache die
lutherische Kirche so frei, auf neue Entwicklungen, neue Organisationsfragen
etc. zuzugehen und von ihnen Gebrauch zu machen. Die reine Predigt des
Evangeliums und die stiftungsgemäße Verwaltung der Sakramente blieben davon
völlig unberührt.

 

Eben das scheint mir ein Irrtum
zu sein, der sich oft so darstellt: Zuerst erfolgt eine korrekte Darstellung
der auf Wort und Sakrament konzentrierten Kirche und dann kommen die
praktischen Konsequenzen, wobei ein betriebswirtschaftliches Vokabular deutlich
macht, dass nun eine Organisationstheorie mit Hilfe von Leitbildern,
Zielvorstellungen und Zukunftsplanung die Herrschaft übernommen hat. In
Wahrheit sind es diese Leitbilder und diese Zielvorstellungen, die wirksam
werden, während die Wort-und Sakramentskirche wirkungslos auf der Strecke
bleibt und zu toter Richtigkeit verdammt ist.

 

 
An dieser Stelle sehe ich auch eine Gefährdung für die presbyterial-synodale
Ordnung, dass einerseits natürlich an ihr festgehalten wird, andererseits aber
eine sog. „Weiterentwicklung“ gefordert wird, die den Erfordernissen unserer
Zeit entspricht. Doch was heißt das konkret? Selbst das vorzügliche Referat von
Helmut Zschoch über Prinzip und Wandel der presbyterial-synodalen Ordnung
bietet an dieser Stelle m.E. eine offene Flanke, wenn es die Verlagerung
wichtiger Befugnisse der Ortsgemeinden mitsamt ihrer Presbyterien auf die
kreiskirchliche Ebene mitsamt dem Kreissynodalvorstand als eine zeitgemäße
Weiterentwicklung in Richtung auf eine „Kreisgemeinde“ rechtfertigt und damit
das subsidiäre Prinzip dieser Ordnung aushebelt. Mit dem „subsidiären Prinzip“
meine ich die von Zschoch ausgezeichnet herausgearbeitete reformatorische
Umkehrung einer hierarchisierten römischen Kirche zu einer auf die Basis vor
Ort zugespitzten evangelischen Kirche. „Subsidiär“ heißt: Alles, was Kirche als
Gemeinde vor Ort erledigen kann, soll eben dort, an der Basis, geschehen,
während nur das, was die Gemeinde vor Ort an eine übergreifende Ebene
delegiert, soll dort für die Kirche getan werden. Leitung einer solchen
Gemeindekirche kann nur eine Leitung durch das lebendige Wort sein. Das
Bischofs- oder Präsesamt ist dann nichts anderes als ein Besuchs-und Visitationsamt
in den und für die Gemeinden  am Ort. Was
immer in der Leitungsebene nach unten verlagert werden kann, soll dorthin auch
verlagert werden, damit es beweglich, rasch und so menschennah wie möglich
geschieht.

 

 Das war ja auch die Stärke der Bekennenden
Kirche, dass sie aus ihren Gemeinden vor Ort heraus agierte und deshalb so
schwer von den Mächtigen zu fassen war. Wie stark diese Gemeinden etwa im
Wuppertal vor 75 Jahren waren, wird z.B. daran deutlich, dass sie es
vermochten, eine Kirchliche Hochschule aus ihren Gemeindemitteln zu gründen und
sowohl geistlich wie finanziell zu unterstützen.. Hier war es vor allem das
subsidiäre und d.h. nach unten verlagernde Prinzip der presbyterial-synodalen
Ordnung, das den Gemeinden ein so starkes Gewicht und eine so große Aktivität
gab.

 

 

II. Wie Martin Luther Fragen von
Gestalt und Ordnung

                            aus dem Verhältnis von Glaube und Liebe
angeht

 

Ich kehre noch einmal zurück zu
jenem merkwürdigen Schweigen von Hans Asmussen angesichts des Verwerfungssatzes
der 3. Barmer These und zu der Konzentration der Kirche auf Wort und Sakrament
in CA 7. In der Tat ist hier eine Differenz zu der reformierten Überzeugung gar
nicht zu leugnen, wonach Botschaft und
Ordnung der Kirche Bekenntnischarakter haben. Dass aber Ordnungs- und
Gestaltfragen der Kirche nach lutherischer Kirche gleichgültig und beliebig
wären, ist jedoch rundweg zu bestreiten. Es sind nicht Glaubensfragen, aber
doch Fragen der Liebe, die im Glauben gegründet ist. Wie wenig gleichgültig
dann Ordnungsfragen sind, will ich an zwei Beispielen Luthers deutlich machen,
in denen es um Fragen der Ordnung wie der Gestalt der Gemeinde geht:

 

1.  Ich gehe zurück zu dem Jahr 1526, in dem
Franz Lambert von Avignon auf Bitten des hessischen Landgrafen Philipp einen
Reformplan entwarf, wie Gemeinden geordnet sein sollten, die dem Evangelium
folgen. Lambert Auf der Homberger Synode von 1526 wurde dieser Plan zur Reform
aller hessischen Gemeinden beschlossen. 
Demnach sollte jede Gemeinde in zwei Kreisen aufgebaut sein: Ein
weiterer Kreis mit denjenigen, die den Gottesdienst besuchen und das gepredigte
Wort hören; ein engerer Kreis mit denen, die sich der nach biblischem Gesetz
durchgeführten Kirchenzucht unterwerfen und deshalb auch am Abendmahl
teilnehmen dürfen. Nur dieser engere Kreis sollte als evangelische Gemeinde in
Betracht kommen und Vertreter in die Synode aller hessischen Gemeinden
entsenden dürfen.

 

            War
dieser Reformplan dem Landgrafen Philipp von Hessen nicht ganz geheuer oder
wollte er nur sicher gehen, so schickte er ihn auf jeden Fall vor der
endgültigen Einführung  nach Wittenberg
und erbat von Martin Luther eine Stellungnahme. Die Antwort, die Luther am 7.
Januar 1527 nach Marburg schrieb, erscheint mir auch für gegenwärtige
Reformpläne in der Kirche von einer so grundsätzlichen Bedeutung zu sein, daß
ich den wesentlichen Teil  seines Briefes
hier wiedergeben möchte:

      

„Eure
Fürstlichen Gnaden sollte nicht gestatten, schon jetzt diese Ordnung durch den
Druck zu veröffentlichen. Denn ich bin bisher noch nicht so kühn gewesen und
kann es auch noch nicht sein, eine solche Menge Gesetze mit so gewaltigen
Worten bei uns einzuführen. Nach meiner Meinung wäre es richtig, so zu
verfahren, wie es Mose mit seinen Gesetzen getan hat: Er hat sie zum größten
Teil aus der Gewohnheit, die aus altem Herkommen im Volk lebendig war,
entnommen, aufgeschrieben und geordnet. So sollte Eure Fürstlichen Gnaden
zuerst die Pfarren und Schulen mit tüchtigen Personen versehen und zuvor
erproben, mit mündlichen Befehlen und schriftlichen Mandaten - und das alles
aufs Kürzeste und aufs Notwendigste beschränkt - , was sie tun sollen. Und noch
viel besser wäre es, wenn die Pfarrer zuerst einer, drei, sechs, neun
untereinander eine einheitliche Weise in einem oder drei, fünf, sechs Stücken
anfingen, bis sie in Übung und Gebrauch kommen, und danach weiter und mehr, wie
sich die Sache wohl selbst geben und alle überzeugen wird, so lange, bis alle
Pfarrer nachfolgen. Dann erst könnte man es in einem Büchlein zusammenfassen.

Denn ich weiß
es wohl und habe es auch wohl erfahren, daß die Gesetze, wenn sie zu früh und
vor der Gewohnheit und der Übung festgesetzt werden, selten gut geraten. Die
Leute sind nicht für das befähigt, was diejenigen für richtig halten, die am
grünen Tisch sitzen und mit Worten und Gedanken sich ausmalen, wie es gehen
sollte. Vorschreiben und Befolgen ist weit auseinander. Und die Erfahrung wird
es lehren, daß viele Teile dieser Ordnung sich werden ändern müssen und einige
für die Obrigkeit allein bleiben. Wenn aber einige Stücke in Übung kommen und
zur Gewohnheit werden, ist es leicht, sie zusammenzufügen und zu ordnen. Es ist
das Gesetzemachen eine große, gefährliche, weitläufige Sache, und ohne Gottes
Geist wird nichts Gutes daraus. Darum ist hier ist mit Furcht und Demut vor
Gott zu verfahren und dieses Maß zu halten: Kurz und gut, wenig und gut, nicht
zu hastig und stetig fort. Danach, wenn die Gesetze eingewurzelt sind, wird das
Hinzufügen von allein mehr folgen als es nötig ist, wie es Mose, Christus, den
Römern, dem Papst und allen Gesetzgebern ergangen ist.“ (WA Br.4,157f. Nr.1o71)

 

Dieser Brief, der übrigens für
die Entstehung der Universität Marburg im Jahr 1527 entscheidende Bedeutung
hatte, lässt Kriterien erkennen, die auch für das Planen von Reformen heute
wichtig sind:

  1. Reformen,
         die am „grünen Tisch“, also von oben her, ausgedacht und geplant werden,
         mögen gut gemeint sein, missraten aber dennoch, weil „Vorschreiben und
         Befolgen“ weit auseinander liegen, und weil die Leute nicht für das
         befähigt sind, was die am „grünen Tisch“ Sitzenden, also die Reform-und
         Strukturkommissionen sich ausgedacht haben, wie es gehen solle.
  2. Reformen
         wachsen vielmehr durch gemeinsame Übung und Gewohnheit von unten her,
         indem einige sich in 1-3-6-9 Stücken allmählich einig werden, sie
         gemeinsam weiter erproben und darauf setzen, daß die anderen irgendwann
         von selbst folgen werden.
  3. Nicht in
         ausgedachten Strukturen liegt der verheißungsvolle Anfang von Reformen,
         sondern bei tüchtigen Personen, die durch Übung und Brauch allmählich
         Strukturen erproben und wachsen lassen, um sie dann so kurz und schlank
         wie möglich aufzuschreiben und festzulegen.

 

 

2.  „Dass
eine christliche Versammlung oder Gemeine Recht und Macht habe, alle Lehre zu
beurteilen und Lehrer zu berufen, ein- und abzusetzen: Grund und Ursache aus
der Schrift“
(WA 11, 408-416/ MA 3, 220-229) – so lautet der Titel einer kleinen
Schrift, die Luther 1523 an Rat und Kirchengemeinde der kleinen Stadt Leisnig
bei Leipzig (an der Freiberger Mulde) richtete, nachdem er schon im Oktober
1522 eine Woche in Leisnig gewesen war, um an den Beratungen von Rat und
Kirchengemeinderat über die reformatorische Neuordnung des Gemeindelebens
teilzunehmen. Es ging bei diesen Beratungen 1. um die Frage, wie eine
Kirchengemeinde ihr Geld gerecht, sinnvoll und geistlich verwaltet; 2. wie eine
Kirchengemeinde in ihrem Gottesdienst Gott feiern kann; 3. mit welchem Recht
eine Gemeinde Pfarrer berufen, ein- und absetzen kann. Zu allen drei Fragen
verfasste Luther je eine Antwort:

ad
1: zur Frage der Geldverwaltung hatte der Rat der Stadt Leisnig auf
Grund der mündlichen Beratungen mit Luther die „Ordnung eines gemeinen Kastens“
(d.h. einer Gemeindekasse) erarbeitet, für die Luther als Vorrede einen
„Ratschlag“ schrieb, „wie die geistlichen Güter zu handeln sind“ (WA 12, 11-15/
IL V, 20-26). Die in Leisnig erarbeitete „Kastenordnung“ sah Luther als vorbildlich
auch für andere Gemeinden an. Sein eigener Ratschlag geht auf die Frage ein,
wie bei der Aufhebung von Klöstern und bei der Verwendung kirchlichen Besitzes
zu verfahren ist. Besonders geht er auf die Vermögenswerte ein, die nicht in
Grundbesitz bestehen, sondern in Zinsen aus Darlehen auf fremden Grundbesitz,
weil er dieses damals weit verbreitete Geldgeschäft als Wucher verurteilt. Mit
Verweis auf seinen auch und gerade in kapitalistischen Zeiten höchst aktuellen
„Sermon vom Wucher“ (1519) setzt sich Luther für die Annullierung der
Zinsgeschäfte ein. Ohne auf die vielen zeitbedingten Überlegungen dieses
Ratschlags einzugehen, möchte ich wenigstens die abschließenden Sätze Luthers
zitieren, die den Geist seines „Ratschlags“ deutlich machen:

„Wer aber diesem Rat nicht folgen
oder darin seiner Habgier genugtun will, den lasse ich fahren. Ich weiss wohl,
dass wenige ihn annehmen werden. Darum ist mir genug, wenn einer oder zwei mir
folgen oder doch gern folgen wollten. Es muß die Welt Welt bleiben und der
Satan der Fürst der Welt. Ich habe getan, was ich kann und schuldig bin. Gott
helfe uns allen, dass wir recht verfahren und beständig bleiben. Amen.“(IL V,
26)

 

Der Geist einer Gelassenheit
zieht sich durch diesen wie andere Ratschläge zum Aufbau der Gemeinde: „Darum
ist mir genug, wenn einer oder zwei mir folgen oder doch gern folgen wollten“.
Wie wohltuend wäre es, wenn heute kirchliche Erlasse und
Durchführungsbestimmungen vom Geist dieser Gelassenheit geprägt wären und nicht
von einer top-down-logik: „Basta, so wird’s gemacht“!

 

Ad 2: Die zweite Schrift an das
Städtchen Leisnig trägt den Titel: „Von Ordnung
Gottesdiensts in der Gemeinde“ und rät der Gemeinde wiederum aufs
kürzeste, wie Gott gefeiert werden kann, nämlich frei, gelassen und nicht mehr
zwanghaft. Der tägliche Morgen- und Abendgottesdienst, den die Mönche und
Priester bisher durchgeführt hätten, solle fortgeführt werden, „auch wenn bei
solchem täglichen Gottesdienst vielleicht nicht die ganze Gemeinde anwesend
sein kann“(30). Freilich solle die christliche Gemeinde niemals zusammenkommen,
„wenn nicht daselbst Gottes Wort gepredigt und gebetet wird, sei es auch aufs
kürzeste“(28). Morgens solle eine Lektion aus dem AT und abends aus dem NT
(oder umgekehrt!) fortlaufend gelesen und dann „ein Stück weit“ ausgelegt
werden. Danach solle Gott miteinander mit Psalmen, guten Responsorien und
Antiphonen (also im Wechselgesang!) gedankt, gelobt und um die Frucht des
Wortes gebeten werden, aber, so betont Luther ausdrücklich, möglichst auf eine
Stunde begrenzt. „Denn man darf die Seelen nicht überhäufen, damit sie müde und
überdrüssig werden, wie sie sich bisher in Klöstern und Stiften mit Eselsarbeit
beladen hatten.“(29) Am Sonntag solle morgens und abends eine Versammlung für
die ganze Gemeinde stattfinden, zu der natürlich die Predigt des üblichen
Evangeliums und abends die Predigt der Epistel gehöre, wie auch die Feier des
Sakraments. Die bisherigen lateinischen Gesänge sollten bestehen bleiben, „denn
sie sind sehr gut und aus der Schrift entnommen; doch man kann sie verringern
oder vermehren“(31). Die Heiligenfeste sollten verringert oder gar gestrichen
werden, wenn sie auf erfundenen Heiligenlegenden basierten. Jedoch Mariä
Reinigung (Lichtmeß) am 2.2. und Mariä Verkündigung (25.3.) „würde ich bestehen
lassen“, ebenso habe das Johannesfest am 24.6. eine reine Grundlage und könne
gefeiert werden. „Anderes mehr wird sich mit der Zeit von selbst ergeben, wenn
es sich machen lässt. Aber die summa soll sein, dass gewiss alles geschehe,
damit das Wort recht in Übung kommt und nicht wieder ein Plärren und Lärmen
daraus werde, wie es bisher gewesen ist.“

 
Wieder wird hier der Geist einer Gelassenheit deutlich, die nicht alles
bis ins Kleinste regeln will, sondern der Devise folgt: Gottes Wort soll in
Übung kommen, indem die Christen durch tägliche Beschäftigung in der Schrift
„verständig, bewandert („läufig“) und kundig werden“.

 

Ad 3: Das schwierigste Problem
stellte sich in Leisnig mit der Frage, wie die
Gemeinde geeignete Pfarrer einsetzen könne, nachdem sie vom
römischen  Klerus und dem nahe gelegenen
Kloster keine Mönche und Priester mehr bekam bzw. bekommen wollte. Woher nimmt
eine Gemeinde die Vollmacht und die Urteilskraft, Pfarrer einzusetzen und sie
ggf. auch wieder abzusetzen? Nach welchen geistlichen Kriterien soll das
geschehen, wenn nicht die pure Willkür oder die gerade stärkste Lobby bestimmen
soll? Wie lauten in dieser Sache Grund und Ursache der Heiligen Schrift? 

 
Für Luther ist diese Frage so entscheidend, dass er seine Schrift „Dass
eine christliche Gemeinde Recht und Macht habe, alle Lehre zu beurteilen und
Lehrer zu berufen, ein- und abzusetzen“ sehr grundsätzlich beginnt:

„Aufs erste ist vonnöten, dass
man wisse, wo und wer die christliche Gemeinde sei, auf dass nicht –wie
allezeit die Unchristen gewohnet- unter christlicher Gemeine Namen Menschen
menschlich Handel vornehmen. Dabei aber soll man die christliche Gemeine
gewisslich erkennen, wo das lautere Evangelium rein gepredigt wird“ (220).

 

Für diese These beruft sich
Luther auf Jes. 55,11, dass Gottes Wort nicht leer zurückkommt, sondern tut,
was es sagt. Wo dieses Evangelium rein gepredigt werde und im Schwang sei, so
folgert Luther, müssen auch Christen sein, „wie wenig ihrer auch immer, und wie
sündlich und gebrechlich sie auch seien“(220), während dort, wo Menschenlehren
regieren und nicht das Evangelium im Schwang ist, nur Heiden sein können, „wie
viel ihrer auch immer seien, und wie heilig und fein sie auch immer wandeln“.
Wenn also Bischöfe, Konzilien und gelehrte Theologen eigenmächtige Lehren
verbreiten, gibt Christus seine Lehre „jedermann und allen Christen insgemein,
da er spricht Joh. 10: „Meine Schafe kennen meine Stimme“. Aus Joh. 10 folgert
Luther: „Hie siehest du klar, wes das Recht ist, zu urteilen die Lehre. Bischof,
Papst, Gelehrte und jedermann hat die Macht zu lehren, aber die Schafe sollen
urteilen, ob sie Christi Stimme lehren oder der Fremden Stimme.“ Am Hören macht
Luther also die Urteilskraft der Gemeinde fest, weil der Glaube nach Rm 10,17
aus dem Hören kommt(und nicht aus dem Reden). Das eben macht die Schafe in Jesu
Bildrede zu so klugen Geschöpfen, dass sie ein untrügliches Gehör für die
Stimme ihres Hirten haben. Wo das Evangelium als reines und d.h. von
verfälschendes Zusätzen gereinigtes, klares Wasser durch Lesung und Auslegung
der Heiligen Schrift gereicht wird, da reinigt es auch die verdreckten
Gehörgänge der Menschen, so dass sie Jesu Stimme so rein und klar erkennen
können wie Schafe die Stimme ihres Hirten.

 
Predigen und Hören bedingen sich gegenseitig bei Luther: Wird das
Evangelium rein und klar gepredigt, erzeugt es ein klares und reines Hören, das
zwischen der Stimme Christi und der Stimme eines Fremden unterscheiden kann.
Aus solchem Hören gehen urteilsfähige, weil hörfähige Christen hervor, die
ihren Hirten sagen können, ob sie Christi Stimme oder die Stimme eines Fremden
vernommen haben und sie vielleicht zu einem noch klareren, noch reineren
Predigen ermutigen. So bedingen und setzen sich Predigen und Hören , Hören und
Predigen gegenseitig frei und lassen Kirche in dem Sinne entstehen und wachsen,
wie Luther sie später (1537 in den Schmalkaldischen Artikeln) einmal ganz
elementar bestimmt hat: „Es weiß gottlob ein Kind von sieben Jahren, was die
Kirche sei, nämlich die heiligen Gläubigen und die Schäflein, die ihres Hirten
Stimme hören“(BSLK, Göttingen 1979,
459). 

So hoch wie Luther das Hören
einschätzt, so hoch schätzt er auch das Predigtamt ein, das für ihn viel mehr
als bloß ein Rede-amt ist. Es ist das Amt, das durch Lesen, Auslegen, Beten,
Singen und Feiern des Sakraments den Menschen die Stimme des guten Hirten zu
hören gibt: „Wem das Predigtamt aufgelegt wird, dem wird das höchste Amt
aufgelegt in der Christenheit.“(229) Beides, Predigen und Hören, Beten, Singen
und Feiern, bedingen sich gegenseitig und rufen Kirchengemeinde heraus,
pro-vozieren sie zur Schöpfung des gehörten und im Hören geglaubten Wortes von
Gottes unverdienter Gnade (creatura verbi), die es zu verdanken und zu feiern
gilt.

 

 

 

                         III. Konsequenzen für zukünftige Aufgaben der Gemeinde

Wenn Martin Luther mit Joh. 10
das Hören der Schafe auf die Stimme ihres guten Hirten so wichtig macht, dass
sich daran nicht nur das Christ-Sein des einzelnen, sondern auch Sein oder
Nicht-Sein von Kirche entscheiden, gilt es im Blick auf die zukünftigen Aufgaben der Kirchengemeinde zu fragen, wie denn
dieses Hören wieder eingeübt werden könnte, aus dem die Urteilsfähigkeit der
Gemeinde wie des einzelnen erwächst.

 

  
                                  1.
Biblisches Gehör bilden

Meine These: Es braucht in Zukunft mehr denn je die Bildung eines biblischen Gehörs,
aus dem urteilsfähige Gemeinden mit urteilsfähigen Christen hervorgehen
.
Was ist mit einem „biblischen Gehör“ gemeint? Es ist das, was Luther an die
Stadt Leisnig als das eigentliche Ziel einer reformatorischen Gemeinde und
eines reformatorischen Gottesdienstes ansieht, dass „kundige, in der Schrift
bewanderte, verständige Christen werden“. Das hört sich auf den ersten Blick
wie ein hohes, hehres Bildungsziel für ein hoch stehendes Bildungsmilieu
theologisch interessierter Menschen an, die sich jeden Tag „stille Zeit“ für
Gebet und Bibellesen nehmen, und das hat ja auch viel für sich. Für Luther ist
biblisches Gehör jedoch etwas ungleich Elementareres, an dem sich das Leben
jedes Menschen so oder so entscheidet. Eine Predigt am Sonntag Invokavit des
Jahres 1522 beginnt Luther mit den Worten:

„Wir sind alle
zum Tode gefordert, und wird keiner für den andern sterben, sondern ein
jeglicher in eigner Person muß geharnischt und gerüstet sein für sich selbst,
mit dem Teufel und Tode zu kämpfen…Ich werde dann nicht bei dir noch du bei mir
sein. Derhalben muß ein jeder selbst die Hauptstücke, so einen Christenmenschen
belangen, wohl wissen, wodurch er in diesem ernsten Kampf gerüstet komme.“(MA 4,
32)

 

Das biblische Gehör hat es mit
diesen „Hauptstücken, so einen Christenmenschen belangen“ zu tun. Im weiteren
Verlauf von Luthers Predigt sind es einzelne Hauptsprüche der Bibel, die er wie
Freisprüche für den jedem Menschen bevorstehenden Kampf mit Tod und Teufel
entfaltet. „Wir sollten alle in der Bibel wohl bekannt sein und mit hellen,
klaren Sprüchen gerüstet, dem Teufel sie vorzuhalten. Denn wenn du in diesem
Kampf nicht ein gewisses, helles, klares Wort Gottes hast, so kannst du nicht
bestehen.“(33) Als Beispiel für so einen hellen, klaren Spruch fügt Luther dann
Joh 3,16 an: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einigen Sohn gab,
auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige
Leben haben.“  In solchen Sprüchen der
Bibel wie in hellen, klaren Freisprüchen bewandert und kundig zu sein, ist für
Luther kein hohes Bildungsziel, das man wie Schlagsahne auf dem Kuchen
vielleicht auch mal anstreben könnte. Es ist vielmehr Schwarzbrot, das du im
Rucksack deines Lebens haben musst, wenn dich die Anfechtung, die Schwermut,
das Scheitern deines Lebens überfällt und es dir die Sprache der normalen
Redensarten und Schlagzeilen verschlagen hat. Dann brauchst du eine Sprache,
die sich als Christi Freispruch in deinem biblischen Gehör gebildet hat. Es
kann ein einziges Wort der Bibel sein, das dich dann die rettende Stimme des
guten Hirten hören lässt, wenn du mit deinem verlorenen Leben nicht bloß auf
den Hund, sondern sogar aufs Schaf gekommen bist, ein Wort wie zB. „Siehe, ich
bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“.

Ein biblisches Gehör ist also
einerseits sehr viel mehr als intellektuelle Bildung, ist andererseits aber
auch sehr viel einfacher, elementarer als eine Anhäufung von Wissen. Biblisches
Gehör und Gewissensbildung gehören zusammen, denn es geht um das biblische
Wort, das ich mit meiner ganzen Existenz beherzige und vernehme, wenn’s hart
auf hart in meinem Leben kommt, am elementarsten wohl in dem Wort: „Fürchte
dich nicht, ich bin bei dir.“

 

Die Kirchengemeinde ist ein
herausragender Ort, an dem solche biblische Gehörsbildung stattfindet; und wenn
sie es nicht ist, muss sie es werden, und zwar durch die Art und Weise, wie sie
Gottes Gegenwart feiert, sich im Namen Jesu versammelt, gemeinsam die Bibel
liest oder gar Bibelwochen hält und Gott in ihrer Mitte durch Gebet und
Lobgesang groß macht als den, der nicht fahren lässt das Werk seiner Hände.
Dass Gott in der Kirchengemeinde um Gottes willen gefeiert wird, geschieht mit
allen, die aus einem gestressten und verzweckten Alltag kommen, der sie nur
noch auf Zwecke abrichtet, ihnen Schlagzeilen einhämmert, sie Bilder an der
Mattscheibe sehen lässt, die zum Verstummen bringen. Eben diese Menschen können
aufatmen, wenn sie Gott um Gottes willen feiern. Dann bildet sich biblisches
Gehör, wenn die Predigt nicht bloß im Wissen, sondern im Gewissen der Menschen
ein solches Wort aus Mt 25 verankert wie „Was ihr getan habt einem unter meinen
geringsten Brüdern, das habt ihr mit getan“. Hier geht es um mehr als bloß um
eine ethische Anweisung, mehr als bloß um ein Tun oder Noch-tun-können. Es geht
vielmehr um das, was ich schon getan habe
und nun mit meinem Leben verantworten muss. Es geht also um eine
Gerichtsansage; die kann Ernst in mein allzu leichtfertiges Leben bringen, und
die Frage wecken, woher ich noch Gnade erwarten darf, wenn ich sie gar nicht
verdient habe. So oder ähnlich mag sich in einem Gottesdienst der
Kirchengemeinde am Volkstrauertag biblisches Gehör und ineins damit Gewissen im
Menschen bilden.

    

                 2.Defizitorientierte
oder Verheißungsorientierte Perspektive

 

So wichtig mir im Anschluss an
Luthers Verständnis einer reformatorischen Gemeinde der Gottesdienst oder
besser DIE Gottesdienste der Kirchengemeinde als Ort der Gehörs-und
Gewissensbildung von Christen sind, so sehr gehen doch Aufgaben und Chancen der
Kirchengemeinde in der kommenden Zeit noch weit über diese Mitte der Gemeinde
hinaus. Es werden Sparzwänge auf die Kirchengemeinden zukommen,
Mittelverknappungen, sinkende Mitgliederzahlen, Stellenstreichungen,
Konkurrenzkämpfe. Das ist schlimm, und keiner weiß, wie er da durchkommen wird.

Noch schlimmer aber wird es, wenn
sich die Sorge an all die Streichungen, Verknappungen und Zahlen heftet, denn
zur Eigenart der Sorge gehört es, dass sie den Blick des Menschen starr macht,
so dass er einen Berg von Sorgen vor sich aufbaut und sich wie erschlagen
fühlt. Am schlimmsten aber wird es, wenn dann einer kommt, der der
Kirchengemeinde verspricht, alles in den Griff zu kriegen, wenn man nur
ordentlich betriebswirtschaftlich denkt, Hochrechnungen bis ins Jahr 2030
anstellt, entsprechende Leitsätze aufstellt, Ziele definiert und Pläne macht,
um dann miteinander die Sache zu managen. Die Kirchengemeinde verwandelt sich
dann unversehens in einen Management-Betrieb. Alles wird irgendwie
zielorientiert verplant. Die Kollekten werden möglichst nur noch für eigene
Zwecke eingesammelt. Die einzigen Fragen lauten dann: Rechnet sich das? Bringt
das was? Kommen dann mehr Leute oder weniger? Vorbei ist es dann mit dem „Gott
feiern“, denn wirkliches Feiern geht nur aus dem Geist der Zwecklosigkeit, der
Verschwendung, der Hingabe.

 

Was die Sorge zwanghaft mit sich
bringt, ist ein defizitäres Denken, das wie ein Kaninchen vor der Schlange der
tausend Mängel in der Kirche gebannt ist. Zuweilen geht dann aber ein Ruck
durch eine Kirchengemeinde, und sie entschließt sich: „Es muss etwas
geschehen!“ Nun sind Strategien angesagt, Kampagnen, Aktionsprogramme,
Reformprozesse. Die Gemeinde verwandelt sich in eine Baustelle, auf der alles
umgebaut werden muss. Doch eines Tages fällt auch auf diese Baustelle wieder
der Novemberregen. Der Boden wird schwerer und schwerer. Schließlich tritt die
Sorge, die ja unterschwellig stets der eigentliche Motor war, wieder auf den
Plan und macht offenbar, was bereits alles schief ging und welche weiteren
Fehler noch auftreten werden. Nun zieht sich die Gemeinde wieder in ihr
Schneckenhaus zurück, wo sie von der Resignation gepeinigt wird. Bis eines
Tages wieder ein Ruck durch die Gemeinde geht und der Ruf ertönt: „Es muß etwas
geschehen!“ Was dann geschieht, wissen wir bereits, denn wir haben ja den
Teufelskreis eines defizitären Denkens bereits abgeschritten.

Was ist der Fluch eines
defizitären Denkens? Es ist der Sog eines Mangels, der mich immer tiefer in
seinen Bann zieht, so dass ich auch in meinen Berechnungen immer gelähmter und
immer zwanghafter werde.

 

 
Was könnte demgegenüber biblische Gehörsbildung für eine Kirchengemeinde
bedeuten? Es wäre die Einübung eines Denkens, wie es der Apostel Paulus mit
seiner Gemeinde in Korinth praktiziert. Angesichts dieser Gemeinde mit all
ihren Mängeln preist Paulus zuerst die Treue Gottes, die die Gemeinde in allen
Stücken reich gemacht hat. Und wenn der Apostel dann die Mängel der Gemeinde
doch beim Namen nennt, bringt er sie anders in den Blick: Wenn ein Glied
leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen
sich alle Glieder mit“(1.Kor.12,26). Die gemeinsame Freude ist hier die
Grundlage für das Mitleiden. Die Gemeinde kommt bei Paulus als eine
Gemeinschaft von Menschen in den Blick, die sich aufgrund gleich ursprünglicher
Freude gebildet hat, nämlich der Freude daran, dass in Christus das Leben in
seiner ewigen, unvergänglichen Gestalt erschienen ist und in dieses zeitliche Leben
hineinragt. Das ist das Evangelium, die Botschaft der Freude, die Christen zum
Feiern von Gottes Gegenwart bringt.

 

Von dieser Freude her kommen nun
bei Paulus eine Menge an Gaben in den Blick, mit der einer die andere begaben
kann. Der Apostel weckt dadurch Gaben in der Gemeinde, dass er die
Gemeindeglieder auf das anspricht, was sie schon empfangen haben und bereits
sind. Nun muss nicht mehr die Sorge herrschen, sondern die Freude daran, dass
die Hand am Leib Christi zu ihrem Handgriff kommt, der Fuß zu seinem Schritt
und der Kopf zu seinem Gedanken, und das alles zur gegenseitigen Auferbauung
geschieht im Zeichen der Verheißung: „Ihr aber seid der Leib Christi, und jeder
ein Glied an diesem Leib!“ Das nenne ich, im Gegensatz zum mangelorientierten Denken, ein verheißungsorientiertes
Denken, d
as in biblischem Gehör bei Paulus und in der Bergpredigt Jesu mit
dem Verbot der Sorge und dem Blick auf das Kommen von Gottes Reich einzuüben
ist.

 

 
Die Wahrheitsmomente eines betriebswirtschaftliche Denkens kommen dann
eigentlich erst richtig in den Blick, wenn die Kirchengemeinde sich als Leib
Christi versteht, an dem es einen unglaublichen Reichtum zu entdecken gibt, mit
dem es auch zu rechnen und zu haushalten gilt im Zeichen von Jesu Wort: „Es ist
genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat. Sorget nicht für den morgigen
Tag!“

 

Thesen im Anschluss an die
Diskussion von Brühl am 19.3.2011

 

  1. Alle Kräfte in der EKiR, ob lutherisch, uniert oder
         reformiert, die die Gefährdung der presbyterial-synodalen Ordnung durch
         eine Verlagerung von Entscheidungskompetenzen auf kreissynodale Instanzen
         sehen und deren Durchsetzung auf der Landessynode Januar 2012 verhindern
         wollen, gilt es jetzt gezielt zu bündeln und zu vernetzen, damit
         gemeinsame Schritte überlegt und abgestimmt werden. Aus diesen
         Gemeindeinitiativen 2011 könnte auf Dauer ein Gemeindebund in der EKiR werden,
         wie es ihn schon in Bayern, Berlin-Brandenburg oder in Kurhessen gibt.
         Hier gibt es z.T. beglückende Zusammenarbeit mit der Kirchenleitung und
         den synodalen Ebenen, die sich gegenseitig stärken. Ein „Gemeindebund“ muß
         ja kein „Kampfbund“ werden, sondern soll den Gemeinden nur eine
         deutlichere Stimme geben, die dann auch auf der synodalen wie der
         leitenden Ebene deutlicher gehört wird. . 
        
  2. Es wird für die Arbeit der Gemeindeinitiativen bzw.
         des „Gemeinbundes“ prägend werden, ob sie verheißungsorientiert oder
         defizitorientiert vorgehen, d.h. ob sie nur die Defizite des LKA oder der
         Superintendenturen anprangern, oder ob sie für die in der
         presbyterial-synodalen Ordnung enthaltene subsidiäre Verheißung werben,
         dass alles, was vor Ort und an der Basis geschieht, schneller,
         unbürokratischer, menschennäher und preisgünstiger erledigt werden kann,
         als auf höheren Instanzen. Alle Ebenen der Kirche profitieren also davon,
         wenn der subsidiäre Grundzug der presbyterial-synodalen Ordnung wieder
         genügend zur Geltung kommt.
  3. Ein „biblisches Gehör“, das in den Gemeinden durch
         Bibelabend, Bibelwochen, Bibelgespräche, Gottesdienste etc. ausgebildet
         wird, kann entscheidend dazu helfen, daß wieder biblisch urteilsfähige
         Presbyterien und Gemeinden entstehen, die auch aktuell widerstandsfähig
         werden, weil sie sich nicht einfach dem „Meinungssuff“ anpassen.

 

 

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© Manfred Alberti

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